Charakteristische Thesen der Partei (1951)
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CHARAKTERISTISCHE THESEN DER PARTEI (1951)
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Content:

Charakteristische Thesen der Partei (1951)
1.Teil - Theorie
2.Teil - Aufgaben der kommunistischen Partei
3.Teil - Historische Wellen der opportunistischen Degeneration
a. die erste Welle: zur Jahrhundertwende
b. die zweite Welle: 1914
c. die dritte Welle: ab 1926
4.Teil - Tätigkeit der Partei in Italien und in anderen Ländern
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Charakteristische Thesen der Partei
(Dezember 1951)

1.Teil. - Theorie
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Grundlage der Theorie: marxistischer historischer Materialismus.
Grundlage der Lehre sind die Grundsätze des historischen Materialismus und des kritischen Kommunismus von Marx und Engels, dargelegt im »Manifest der kommunistischen Partei«, im Kapital und in den anderen ihrer grundlegenden Werke, Basis der Bildung der Kommunistischen Internationale 1919, der Kommunistischen Partei Italiens 1921 und enthalten im Programm der Partei, veröffentlicht in »Battaglia Comunista« Nr.1, 1951 und mehrmals wiederveröffentlicht in »Programma Comunista«.

Der Text des Programms sei hier wiedergegeben:

Die Internationale Kommunistische Partei ist auf der Grundlage der folgenden Prinzipien gegründet, die bei der Gründung der Kommunistischen Partei Italiens (Sektion der Kommunistischen Internationale) 1921 festgelegt wurden.

1. Unter der gegenwärtigen kapitalistischen Herrschaft über die Gesellschaft entwickelt sich ein stets wachsender Widerspruch zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen, was zu antagonistischen Interessensgegensätzen und zum Klassenkampf zwischen Proletariat und der herrschenden Bourgeoisie führt.

2. Die heutigen Produktionsverhältnisse werden von der bürgerlichen Staatsmacht geschützt, die, welcherart die Form des Repräsentativsystems und die Anwendung der Wahldemokratie auch sei, das Verteidigungsorgan der Interessen der kapitalistischen Klasse bildet.

3. Das Proletariat kann das System der kapitalistischen Produktionsverhältnisse ohne die gewaltsame Zerschlagung der bürgerlichen Macht, von dem seine Ausbeutung herrührt, weder brechen noch verändern.

4. Das unverzichtbare Organ des revolutionären Kampfs des Proletariats ist die Klassenpartei. Die kommunistische Partei, die in ihren Reihen den vorgeschrittensten und entschlossensten Teil des Proletariats versammelt, vereint die Anstrengungen der arbeitenden Massen, indem sie sie vom Kampf von Gruppeninteressen und für beschränkte Ergebnisse auf den allgemeinen Kampf für die revolutionäre Emanzipation des Proletariats lenkt. Die Partei hat die Aufgabe, in den Massen die revolutionäre Theorie zu verbreiten, die materiellen Aktionsmittel zu organisieren, die arbeitende Klasse im Verlauf der Kämpfe zu führen und die historische Kontinuität und die internationale Einheit der Bewegung zu sichern.

5. Nach der Zerschlagung der kapitalistischen Macht kann sich das Proletariat nicht zur herrschenden Klasse erheben ohne Zerstörung des alten Staatsapparats und der Errichtung der eigenen Diktatur, die die bürgerliche Klasse und deren Individuen von jeglichem politischen Recht und Funktion ausschliesst, sofern sie gesellschaftlich überleben, und die die Organe der neuen Herrschaft ausschliesslich aus der produktiven Klasse bildet. Die kommunistische Partei, deren programmatisches Charakteristikum in der grundlegenden Verwirklichung dieser Ziele besteht, repräsentiert, organisiert und leitet einheitlich die Diktatur des Proletariats. Die notwendige Verteidigung des proletarischen Staats gegen alle konterrevolutionären Bestrebungen kann nur gewährleistet werden, indem der Bourgeoisie und den der proletarischen Diktatur gegnerischen Parteien alle Mittel der Agitation und der politischen Propaganda entzogen werden und durch eine bewaffnete Organisation des Proletariats, um die äusseren und inneren Angriffe zurückzuschlagen.

6. Nur die Macht des proletarischen Staats kann all die aufeinanderfolgenden Massnahmen des Eingriffs in die wirtschaftlichen Gesellschaftsverhältnisse durchsetzen, mit denen die Ersetzung des kapitalistischen Systems durch die gemeinschaftliche Verwaltung der Produktion und Verteilung verwirklicht wird.

7. Durch die Auswirkungen dieser wirtschaftlichen Umwandlung und der daraus erwachsenden Veränderungen aller Aktivitäten des gesellschaftlichen Lebens verschwindet mehr und mehr die Notwendigkeit des politischen Staats, dessen Räderwerk sich fortschreitend auf die rationale Verwaltung menschlicher Aktivitäten beschränkt.

*   *   *

Gegenüber der Situation des Weltkapitalismus und der Arbeiterbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg gründen die Positionen der Partei auf folgenden Punkten:

8. Im Verlauf der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt sich das kapitalistische System auf ökonomischem Gebiet von der Einführung von Unternehmensverbänden der Arbeitgeber zu monopolistischen Zwecken und zu Versuchen, die Produktion und den Austausch nach zentralen Plänen anzuleiten und zu kontrollieren, bis hin zur staatlichen Verwaltung ganzer Produktionssektoren; auf politischem Gebiet spiegelt sich diese Entwicklung im Anwachsen des polizeilichen und militärischen Potentials des Staats und des Regierungstotalitarismus. All dies sind weder neue Modelle gesellschaftlicher Organisation mit einem Übergangscharakter des Kapitalismus zum Sozialismus, und noch weniger Rückfälle in vorbürgerliche politische Herrschaftsformen. Sie sind im Gegenteil Ausdruck der noch direkteren und ausschliesslicheren Leitung der Macht und des Staates seitens der entwickelsten kapitalistischen Kräfte. Dieser Prozess schliesst pazifistische, evolutionistische und progressistische Interpretationen der Entwicklung der bürgerlichen Herrschaft aus und bestätigt die Vorhersage der Konzentration und antagonistischen Aufstellung der Klassenkräfte. Damit die revolutionären Energien des Proletariats sich mit entsprechendem Potential konzentrieren und verstärken können, muss das Proletariat die illusorische Rückkehr zum demokratischen Liberalismus und das Ersuchen rechtlicher Garantien als Forderung und Agitationsmittel zurückweisen und historisch mit der Methode der Bündnisse zu beschränkten Zwecken der revolutionären Klassenpartei mit bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien oder Pseudoarbeiterparteien mit reformistischem Programm brechen.

9. Die imperialistischen Weltkriege zeigten, dass die Zersetzungskrise des Kapitalismus unvermeidlich ist mit dem entscheidenden Eintritt in die Periode, in der seine Ausdehnung nicht mehr das Anwachsen der Produktivkräfte übersteigt, sondern deren Akkumulation von einer grösseren und häufigeren Zerstörung abhängig macht. Diese Kriege haben wiederholte und tiefe Krisen in der weltweiten Organisation der Arbeiter verursacht und erlaubten den herrschenden Klassen, ihnen die nationale und militärische Solidarität für die eine oder andere Kriegspartei aufzuzwingen. Die einzige historische Alternative, die dieser Situation entgegenzustellen ist, ist das Wiederaufflammen des Klassenkampfs in jedem Lande bis hin zum Krieg der arbeitenden Massen, um die Macht aller bürgerlicher Staaten und weltweiten Allianzen zu stürzen, mittels der Wiederaufrichtung der internationalen kommunistischen Partei als einer von aller bestehenden politischen und organisierten militärischen Macht unabhängigen Kraft.

10. Der proletarische Staat, soweit sein Apparat ein Mittel und eine Waffe des Kampfes in einer historischen Übergangsperiode ist, bezieht seine organisatorische Kraft weder aus Verfassungsartikeln noch von jedwelchen Repräsentativsystemen. Die grösste geschichtliche Darstellung seines Aufbaus sind bis jetzt die während der russischen Oktoberrevolution 1917 aufgetretenen Arbeiterräte, die Periode der Bewaffnung der Arbeiterklasse unter der ausschliesslichen Führung durch die bolschewistische Partei, die gewaltsame Eroberung der Staatsmacht, die Auflösung der konstituierenden Versammlung, der Kampf um die Zurückschlagung der äusseren Attacken bürgerlicher Regime und um die Unterdrückung im Innern der Revolten der geschlagenen Klassen, der mittleren und kleinbürgerlichen Schichten und der opportunistischen Parteien, den unausweichlichen Verbündeten der Konterrevolution.

11. Die Verteidigung der proletarischen Herrschaft gegen die in möglichen Erfolglosigkeiten und Rückschritten liegenden Gefahren der Degeneration während der Arbeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbaus, dessen vollständige Durchführung in den Grenzen eines einzigen Landes undenkbar ist, kann nur gesichert werden in einem beständigen Abstimmen der Politik des Arbeiterstaates mit dem einheitlichen internationalen Kampf des Proletariats aller Länder gegen deren Bourgeoisie und deren militärische und staatliche Apparate, einem in jeder Situation, in Kriegs- wie in Friedenszeiten unaufhörlichem Kampfes, mittels politischer und programmatischer Kontrolle der kommunistischen Weltpartei über die Staatsapparate, deren Macht das Proletariat erobert hat.

2.Teil - Aufgaben der Kommunistischen Partei
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1. Notwendigkeit der politischen Klassenpartei.
Die Emanzipation der arbeitenden Klasse von der Ausbeutung durch den Kapitalismus kann nur erreicht werden durch den politischen Kampf und ein politisches Organ der revolutionären Klasse, der kommunistischen Partei.

2. Aufstand als Hauptform des politischen Kampfes.
Der wichtigste Aspekt des politischen Kampfs im marxistischen Sinne ist der Bürgerkrieg und der bewaffnete Aufstand, in dem eine Klasse die Macht der gegenüberstehenden herrschenden Klasse stürzt und seine eigene errichtet. Ein solcher Kampf kann nicht gewonnen werden ohne Führung durch die Parteiorganisation.

3. Die proletarische Diktatur wird von der Partei ausgeübt.
Wie sich der Kampf gegen die Macht der ausbeutenden Klasse ohne revolutionäre politische Partei nicht entfalten kann, so auch nicht die nachfolgende Arbeit der Ausrottung der vorherigen wirtschaftlichen Institutionen: die proletarische Diktatur, notwendig in der historisch längeren Periode des Übergangs, wird offen von der Partei ausgeübt.

4. Aufgaben der Partei: Kontinuität der Theorie, Kontinuität der Organisation - Teilnahme an allen wirtschaftlichen Kämpfen des Proletariats.
Gleichermassen notwendige Aufgaben der Partei vor, während und nach dem bewaffneten Kampf um die Macht sind die Verteidigung und Verbreitung der Theorie der Bewegung, die Verteidigung und Verstärkung der inneren Organisation durch Überzeugungsarbeit und Propaganda der kommunistischen Theorie und des kommunistischen Programms, und die beständige Aktivität innerhalb des Proletariats, soweit es durch die wirtschaftlichen Zwänge und Erfordernisse zum Kampf für seine Interessen getrieben wird.

5. Minderheit der zur Partei organisierten Klasse - Bewußtsein, nicht der Parteimitglieder oder der Parteiführer, sondern der organischen Gesamtheit der Partei.
Die Partei umfasst in ihren Reihen weder alle Individuen, die zusammen die Arbeiterklasse bilden, noch deren Mehrheit, dahingegen aber jene Minderheit, die die gemeinschaftliche Vorbereitung und Reife für die Theorie und Aktion errungen hat, die der allgemeinen und festgelegten Sichtweise der geschichtlichen Bewegung, weltweit und in ihrem ganzen Verlauf, von der Bildung des Proletariats bis zu seinem Sieg reichend, entspricht.
Die Frage des individuellen Bewusstseins liegt der Parteibildung nicht zugrunde: nicht jeder Proletarier kann bewusst die Lehre der Klasse beherrschen, und noch weniger kulturell, nicht einmal jedes Parteiglied für sich genommen, und selbst die Parteispitzen bieten dafür keine Gewähr. Diese besteht nur in der organischen Einheit der Partei.
Von daher wird jede Vorstellung einer individuellen Aktion oder einer Aktion von nicht durch ein genaues organisatorisches Netz verbundenen Massen zurückgewiesen, wie auch eine Vorstellung von der Partei als eine Gruppierung von Weisen, Erleuchteten oder Gewissenhaften. Unsere Vorstellung nach ist die Partei ein Netz und ein System das innerhalb der Arbeiterklasse die organische Funktion hat, die revolutionären Aufgaben in allen ihren Aspekten und in allen verwickelten Phasen zu erklären.

6. Notwendigkeit für das revolutionäre Vorankommen, dass zwischen der Partei und der Klasse eine Zwischenschicht an wirtschaftlichen Vereinigungen besteht, die von der Partei durchdrungen sind.
Der Marxismus hat die syndikalistische Theorie, immer wenn sie auftrat, stets heftig zurückgewiesen, die der Klasse rein wirtschaftliche Organe wie Berufs-, Industrie- oder Fabrikverbände zusprechen und diese für befähigt halten, den Kampf zu entwickeln und die gesellschaftliche Umwandlung durchzusetzen.
Wenn die Gewerkschaften auch, für sich genommen, für die Revolution unzureichende Organe darstellen, so sind sie doch unverzichtbare Organe für die Mobilisierung der Klasse auf politischer und revolutionärer Ebene, durchgeführt durch das Eindringen und die Präsenz der kommunistischen Partei in den wirtschaftlichen Organisationen der Klasse.
In der schwierigen Phase, die die Herausbildung wirtschaftlicher Verbände darstellt, betrachten wir diejenigen als für die Arbeit der Partei geeignet, die nur Arbeiter umfassen, die diesen freiwillig beitreten, aber ohne politische, religiöse oder gesellschaftliche Glaubensbekenntnisse ablegen zu müssen. Diese Eigenschaften treffen weder für religiöse und Zwangsgewerkschaften zu, noch für solche, die integrierter Teil des Staatsapparates geworden sind.

7. Zurückweisung der Bildung von gesonderten Gewerkschaften, die der Partei einverleibt sind.
Die Partei wendet niemals die Methode an, besondere wirtschaftliche Organisationen zu bilden, die nur solche Arbeiter einbeziehen, die die Grundsätze und die Leitung der kommunistischen Partei befürworten. Die Partei anerkennt vorbehaltlos, dass nicht nur die dem Aufstand vorhergehende Phase noch jede Phase des entscheidenden Anwachsens des Einflusses der Partei in den Massen zustande kommen kann, ohne dass sich zwischen der Partei und der Klasse eine Organisationsschicht mit unmittelbaren wirtschaftlichen Zielen herausbildet, mit zahlenmässig hoher Mitgliedschaft, in deren Innern ein von der Partei ausgehendes Netz existiert (kommunistische gewerkschaftliche Zellen, Gruppen und Fraktionen). Die Aufgaben der Partei in ungünstigen Zeiten und der Passivität der Arbeiterklasse bestehen darin, das Entstehen von Formen von Organisationen mit unmittelbar wirtschaftlicher Zielsetzung vorherzusehen und zu unterstützen, die künftig auch vollkommen neue Formen annehmen können, neben den gut bekannten der Berufsverbände, Industriegewerkschaften, Fabrikräte usw.. Die Partei unterstützt stets die Organisationsformen, die den Kontakt und die gemeinsame Aktion von Arbeitern verschiedenster Regionen und Berufe erleichtern und weist alle exklusiven Formen zurück.

8. Zurückweisung aller Auffassungen utopistischer, anarchistischer oder syndikalistischer Art, wie etwa die einer sektiererischen Partei, die sich ihren gewerkschaftlichen Doppelgänger erschafft oder gewerkschaftliche Arbeit ablehnt.
Zu allen Zeiten hält sich die Partei von daher fern von der utopistischen und idealistischen Vorstellung, die eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse einem Zusammenschluss von Erwählten, Gewissenhaften, Aposteln und Helden zutraut, von der libertären Vorstellung, die dies einer individuellen Revolte oder der einer unorganisierten Menge zutraut, von der syndikalistischen oder ökonomistischen Vorstellung, die dies einer Aktion apolitischer wirtschaftlicher Organismen mit oder ohne Hilfe von Gewaltanwendung zutraut, von der voluntaristischen oder sektiererischen Vorstellung, die vom wirklich bestimmenden Prozess absieht, die ignoriert, dass die Rebellion der Klasse aus Aktionen und Reaktionen hervorgeht, die dem theoretischen Bewusstsein und dem entsprechenden klaren Willen weit vorauseilen, und die eine kleine Elitepartei wollen, die sich mit extremen Gewerkschaften umgibt, die nichts als ihre Verdopplung darstellen, oder in den Fehler verfallen, sich vom wirtschaftlich-gewerkschaftlichen Verbundnetz des Proletariats zu isolieren. Letzterer Fehler der deutschen »Kaapedisten« oder der holländischen »Tribunisten« wurde immer innerhalb der Dritten Internationale von der Italienischen Linken bekämpft.
Diese Strömungen lösten sich wegen Fragen der Taktik und Strategie des proletarischen Kampfs, die man nur im Zusammenhang mit der Zeit und den folgenden historischen Phasen behandeln kann, von der Dritten Internationale.

3.Teil - Historische Wellen der opportunistischen Degeneration
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Taktik und Aktion der Partei

1. Nicht abstrakte, sondern geschichtliche Behandlung der Fragen bezüglich der Aktivität der Partei und ihrer Bündnisse.
Eine Position der prinzipiellen Unnachgiebigkeit gegenüber allen Allianzen, Einheitsfronten und Kompromissen kann nicht als für alle aufeinanderfolgenden Phasen der proletarischen Geschichte gültig vorgebracht werden, ohne in Idealismus zu verfallen, der der marxistischen Sichtweise fremd ist und sich auf mystische, ethische oder ästhetische Überlegungen stützt. Die Fragen der Strategie, der Manöver, der Taktik und der Praxis der Klasse und der Partei stellen und lösen sich also nur auf geschichtlicher Ebene. Dies bedeutet, dass diese Fragen nur im Zusammenhang mit dem weltweiten Prozess des proletarischen Vordringens zwischen bürgerlicher und proletarischer Revolution zu begreifen sind und nicht der kleinlichen Kasuistik [Einzelfallerörterung], Ort für Ort, Zeitpunkt für Zeitpunkt, der Willkür von Gruppen und leitenden Komitees überlassen bleiben.

2. Dialektische Notwendigkeit für den Sieg der bürgerlichen Revolutionen unter feudalen Verhältnissen zu kämpfen, um den Anbruch kapitalistischer Produktion zu begünstigen.
Das Proletariat selbst ist vor allem ein Produkt der Ökonomie und der kapitalistischen Industrialisierung. Wie der Kommunismus nicht aus menschlicher Eingebung, einem Kreis Gleichgesinnter oder Bruderschaften hervorgeht, sondern nur aus dem Kampf der Arbeiter selbst, so ist der unwiderrufliche Sieg des Kapitalismus über die ihm vorausgehenden Produktionsweisen eine Vorbedingung des Kommunismus, also der Sieg der Bourgeoisie über die feudale Grundaristokratie und der anderen Klassen der alten Gesellschaft Europas, Asiens und aller Länder überhaupt.
Zur Zeit des »Kommunistischen Manifests«, als sich die moderne Industrie erst und in nur wenigen Ländern zu entwickeln begann, war das Proletariat aufgerufen, in den antifeudalen und nationalen Befreiungsaufständen an der Seite der revolutionären Bourgeoisie zu kämpfen, ein Kampf, der in jener Epoche nur bewaffnet vor sich ging, mit dem Ziel, den Ausbruch des modernen Klassenkampfs zu beschleunigen. Die Beteiligung der Arbeiter an der grossen französischen Revolution und deren Verteidigung gegen die europäischen Koalitionen, auch in der napoleonischen Phase, gehört somit zum grossen geschichtlichen Bogen des proletarischen Klassenkampfes, auch wenn in dieser Epoche die bürgerliche Diktatur die ersten kommunistischen sozialen Kämpfe gnadenlos unterdrückte.
Für die Marxisten verlängerte sich die Phase der antifeudalen Strategie, nach den Niederlagen der (auch verbündeten) Bourgeoisie und Proletarier in der 1848er-Bewegung, bis Ende 1871: in Europa blieben geschichtlich feudale Regime in Russland, Österreich und Deutschland bestehen und die Erringung der nationalen Einheit in Italien, Deutschland und auch im europäischen Osten war Bedingung für die industrielle Entwicklung Europas.

3. Beendigung im Westen der Periode der revolutionären Bündnisse mit der Bourgeoisie und der Kriege zur Herausbildung der Nationalstaaten 1871: Pariser Kommune.
1871 stellt eine offensichtliche Wende dar, da der Kampf gegen Napoleon III und seine Diktatur schon ganz klar nicht ein Kampf gegen eine feudale, sondern kapitalistische Formation war, Produkt und Beweis der antagonistischen Aufstellung der Klassenkräfte, und auch wenn Napoleon III ein militärisches Hindernis für die moderne und historische bürgerliche Entwicklung in Deutschland war, stellte sich der revolutionäre Marxismus sofort auf die Seite des ausschliesslich proletarischen Kampfes aller Parteien der Kommune, der ersten Arbeiterdiktatur, gegen die französische Bourgeoisie.
Mit dieser Epoche verschliesst sich im europäischen Rahmen die Möglichkeit, zwischen zwei geschichtlichen Gruppen im Kampf und zwischen zwei staatlichen Armeen zu wählen, und sie verschliesst sich soweit wie jede »Rückkehr« zu vorbürgerlichen Gesellschaftsformen in zwei grossen Gebieten unmöglich geworden ist: England und Amerika, Europa bis zu den Grenzen des zaristischen und ottomanischen Reiches.

a. die erste Welle: zur Jahrhundertwende
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4. Zurückweisung der sozialdemokratischen und legalistischen »Revision«, die in der ruhigen Periode des Kapitalismus (1871-1914) auftrat - Zurückweisung der Wahlblöcke und der Regierungsbeteiligungen.
Eine erste Welle des Opportunismus in den Reihen der marxistischen Arbeiterbewegung (die bakunistische Richtung in der Ersten Internationale 1867-1871 und die sorelianische der Zweiten Internationale 1907-1914 betrachten wir als ausserhalb des Marxismus stehend) ist die des sozialdemokratischen Revisionismus: mit dem Sieg der Bourgeoisie wäre eine Periode ohne Kriege und Aufstände eröffnet worden; auf Grundlage der Verbreitung der Industrie, des zahlenmässigen Anwachsens der Arbeiterschaft und des allgemeinen Wahlrechts wäre der Sozialismus durch allmählichen und unblutigen Fortschritt möglich. Der Revisionismus versucht solcherart (Bernstein), den Marxismus seines revolutionären Gehalts zu berauben: dieser sei nicht der proletarischen Klasse gemäss, sondern ein untergeschobener Reflex der bürgerlichen Aufstandsperiode. In dieser Periode erhält die taktische Frage der Allianzen mit bürgerlichen fortschrittlichen oder linken Parteien und proletarischen Parteien einen anderen Gesichtspunkt: es geht nicht mehr um Geburtshilfe für den Kapitalismus, sondern darum, wie aus ihm mit Hilfe von Gesetzen und Reformen der Sozialismus hervorgeht, nicht durch Kampf in Land und Stadt, sondern durch gemeinsame Abstimmung in den parlamentarischen Versammlungen: derartige Angebote von Allianzen und Blockbildungen, die bis zur Übernahme von Ministerämtern durch proletarische Führer reichen, stellen einen Abfall vom revolutionären Weg dar, und darum verdammen radikale Marxisten alle Wahlblöcke.

b. die zweite Welle: 1914
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5. Zurückweisung der Politik der nationalen Kriegsallianzen, der Einschätzung des imperialistischen Kriegs (Lenin: »Der Imperialismus...«) als eines antifeudalen Kriegs oder eines Verteidigungskriegs. Nicht nur Zurückweisung des Burgfriedens (oder der »heiligen Allianz« zwischen Proletariat und Bourgeoisie), sondern Defätismus gegenüber jedem nationalen Krieg, um ihn in einen Bürgerkrieg umzuwandeln (Lenin: Thesen zum Krieg 1915)
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 ergiesst sich über die proletarische Bewegung die zweite gewaltige Welle des Opportunismus. Zahlreiche gewerkschaftliche und parlamentarische Führer, ganze Gruppen von Mitgliedern und ganze Parteien beschrieben den zwischenstaatlichen Konflikt als einen Kampf, der zur Rückkehr zum feudalistischen Absolutismus und zur Zerstörung der zivilen Errungenschaften der Bourgeoisie wie deren modernen Wirtschaftsrahmens führen könne. Sie predigten also die Solidarität mit dem im Kampf befindlichen Nationalstaat, und dies beiderseitig der Front, weil das zaristische Russland mit der fortgeschrittenen Bourgeoisie Englands und Frankreichs verbündet war.
Der grösste Teil der Zweiten Internationale verfiel in den Kriegsopportunismus. Wenige Parteien, darunter die italienische, retteten sich, aber nur vorgeschrittene Gruppen und Fraktionen trafen sich auf einer Ebene mit Lenin, der den Krieg als Produkt des Kapitalismus und nicht als einen Kampf zwischen Kapitalismus und vorherigen Gesellschaftsformen definierte und daraus nicht nur die Verdammung der heiligen Union nationaler Allianzen folgerte, sondern die Forderung des defätistischen Kampfes der proletarischen Parteien im Innern eines jeden Staates und Kriegsheeres.

6. Berufung auf die konstituierende Plattform der III. Internationale von 1919. Nicht nur Ablehnung jeglicher parlamentarischer Bündnisse, sondern Zurückweisung der legalen Machteroberung; Gewaltsame Zerschlagung des bürgerlichen Staats; Proletarische Diktatur (Lenin: »Staat und Revolution«)
Die Dritte Internationale entsteht aus einer doppelten geschichtlichen Gegebenheit: dem Kampf gegen die Sozialdemokratie und den Kampf gegen den Sozialpatriotismus.
Die gesamte proletarische Internationale verwirft nicht nur die Methode der Allianzen mit anderen Parteien zur Verwaltung der parlamentarischen Macht, sondern auch, dass die Macht auf legale Weise erobert werden könne, auch nicht auf »unnachgiebige« Art einzig durch die proletarische Partei, und verkündet auf den Ruinen der pazifistischen Phase des Kapitalismus die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfs und der Diktatur.
Man schliesst nicht nur keine Bündnisse mit sich im Krieg befindlichen Regierungen ab, auch dann nicht, wenn es sich um einen »Verteidigungskrieg« handelt, sondern beharrt auch im Kriege auf dem Klassengegensatz, und darüber hinaus: in allen Ländern versucht man im Rücken der Fronten defätistische Aktionen durchzuführen, um den imperialistischen Krieg der Staaten in einen Krieg der Klassen umzuwandeln.

7. Verspätete Wirkung der richtigen taktischen Positionen der radikalen Marxisten in der Periode 1871-1919 (Keine Bündnisse mit bürgerlichen Parteien für legale Reformen. Keine Bündnisse für Verteidigungskriege), in der Reaktion auf die opportunistischen Wellen und den Verrat, als Ursache des Scheiterns der proletarischen Revolution in Europa nach dem Ersten Weltkrieg.
Die Antwort auf die erste Welle des Opportunismus lautete: keine Wahlbündnisse, parlamentarische Koalitionen, Ministerposten, um Reformen durchzusetzen.
Auf die zweite opportunistische Welle konterte man mit einer anderen taktischen Formel: Keine Kriegsallianz (seit 1871) mit dem Staat und der Bourgeoisie.
Die späte Wirkung dieser Reaktionen verhinderte, dass das Proletariat von der Wende und dem Zusammenbruch 1914-1918 profitieren konnte, um überall den defätistischen Kampf gegen den Krieg und für die Zerstörung des bürgerlichen Staats aufzunehmen und zu gewinnen.

8. Ausnahmesieg in Russland als positive Lösung des klassischen geschichtlichen Problems der Verknüpfung zweier Revolutionen (antifeudal und antibürgerlich) über die militärische Niederlage des Zarismus hinaus - in Verbindung mit der doktrinären und organisatorischen Festigkeit der kleinen bolschewistischen Partei.
Einzige grosse historische Ausnahme ist der Sieg in Russland 1917. Russland war der einzige grosse europäische Staat, der noch von einer feudalen Macht beherrscht wurde, mit spärlicher Durchdringung kapitalistischer Produktionsformen. In Russland bestand deshalb eine zahlenmässig schwache, aber traditionell auf der richtigen Linie der marxistischen Lehre fest stehende Partei, die sich in der Internationale den zwei opportunistischen Wellen entgegenstellte und gleichzeitig in der Lage war, nach der grossen Probe von 1905, die aus zwei Revolutionen (bürgerlicher und proletarischer) herrührenden Probleme anzugehen.
Diese Partei kämpfte 1917 mit den anderen gegen den Zarismus und sofort danach nicht nur gegen die bürgerlich-liberalen, sondern auch gegen die opportunistischen proletarischen Parteien, und es gelang ihr, alle zu schlagen. Darüber hinaus steht sie im Mittelpunkt der Wiederherstellung der revolutionären Internationale.

9. Kampf zur Niederwerfung der Konterrevolution und zum Vorantreiben der russischen Wirtschaft über den Feudalismus und Kapitalismus hinaus, bedingt durch die Mobilisierung der Weltarbeiterklasse und der Kolonialvölker gegen den Imperialismus und die asiatischen Despoten.
Die Tragweite dieser grossartigen Ereignisse schlägt sich in unwiderruflichen geschichtlichen Ergebnissen nieder. Im letzten an das westeuropäische Gebiet angrenzenden Land hat ein unentwegter Kampf das Proletariat allein an die Macht geführt, auch wenn es gesellschaftlich nicht völlig entwickelt war. Die proletarische Diktatur, die die vorhergehenden liberaldemokratischen Formen westlichen Typs hinwegfegte, stand vor der enormen Aufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, und dies mit der doppelten Last, die feudalen und die erst kürzlich entstandenen kapitalistischen Formen zu überwinden. Dies setzte vor allem den siegreichen Widerstand gegen die Angriffe der konterrevolutionären Banden und die kapitalistischen Kräfte voraus, weiterhin die Mobilisierung des Weltproletariats an der Seite der Sowjetmacht und im Ansturm auf die bürgerlichen Mächte im Westen, und weiterhin auch, das revolutionäre Problem an die Grenzen der Kontinente farbiger Völker getragen, die Mobilisierung aller Kräfte, die bereit sind, sich mit Waffen gegen die weissen imperialistischen Metropolen zu erheben.

10. Unvermeidliche geschichtliche Alternative zur Zeit Lenins: entweder Fall der grossen staatlichen kapitalistischen Zentren oder Fall der russischen Revolution (wenn nicht im bewaffneten Kampf, so jedenfalls Rückfall der gesellschaftlichen Aufgaben auf die Ausdehnung des Kapitalismus bis an den Ural und über ihn hinaus).
Für das Gebiet Europas ist jede Strategie eines antifeudalen Blocks mit bürgerlichen Linkskräften überholt durch die vollständige Eröffnung des bewaffneten proletarischen Ansturms auf die Macht; in den rückständigen Ländern lehnen es die im Entstehen begriffenen proletarischen kommunistischen Parteien nicht ab, auf dem Schlachtfeld an Aufständen auch anderer gesellschaftlicher antifeudaler Elemente teilzunehmen, seien sie gegen despotische Herren gerichtet oder gegen die weissen Kolonisatoren.
Die Alternativen stellten sich zu Lenins Zeit geschichtlich folgendermassen: entweder der Erfolg eines derartigen weltweiten Kampfes durch den Sturz der kapitalistischen Herrschaft, wenigstens im Grossteil des fortgeschrittenen Europas, und einen äusserst beschleunigten Rhythmus der ökonomischen Umwälzung in Russland, dass das kapitalistische Stadium überspringt und sich mit der für den Sozialismus reifen Industrie des Westens auf den neuesten Stand bringt - oder Beständigkeit der grossen Zentren des bürgerlichen Imperialismus und damit Rückfall der revolutionären Macht in Russland auf die Aufgaben einer einzigen der zwei gesellschaftlichen Revolutionen: der bürgerlichen, mit der Mühe eines immens produktiven Aufbaus, aber im kapitalistischen und nicht im sozialistischen Sinne.

11. Das taktische Problem für den kommunistischen Kampf im Westen nach den ersten Niederlagen und der Festigung der bürgerlichen Herrschaft in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg besteht darin, die Arbeiter dem beständigen sozialopportunistischen Einfluss der zu entziehen: Falschheit der Manöver als Hilfsmittel.
Schon die Offensichtlichkeit selbst der drückenden Notwendigkeit, die Eroberung der Macht in Europa zu beschleunigen, um zu vermeiden, dass die Sowjetmacht entweder gewaltsam zu Fall gebracht wird oder zu einem kapitalistischen Staat degeneriert, sobald sichtbar wurde, dass sich die bürgerliche Gesellschaft nach der starken Erschütterung des Ersten Weltkriegs wieder festigte und es den kommunistischen Parteien, ausser in sofort niedergeworfenen Versuchen, nicht gelang, ihren Kampf unbeschadet zu gewinnen, führte dazu, sich zu fragen, welche Massnahmen zu treffen wären, um der Tatsache zu begegnen, dass beträchtliche proletarische Schichten immer noch dem sozialdemokratischen und opportunistischen Einfluss unterlagen.
Zwei Methoden standen sich gegenüber: die Erste bestand darin, die Parteien der II. Internationale, die eine erbarmungslose Kampagne gegen das kommunistische Programm wie gegen das revolutionäre Russland führten, als offene Feinde zu betrachten und diese als Teil der bürgerlichen Klassenfront - und als deren gefährlichsten Teil - zu bekämpfen. Die zweite Methode bestand darin, auf Hilfsmittel, auf taktisch-strategische »Manöver« zurückzugreifen, die fähig sein sollten, den Einfluss der kommunistischen Parteien auf die unter sozialdemokratischem Einfluss stehenden Massen zu vergrössern.

12. Fälschliche Parallele zwischen der bolschewistischen Liquidation aller bürgerlichen, kleinbürgerlichen und pseudoproletarischen Parteien in Russland und dem Widerspruch zwischen Sozialdemokraten und revolutionären Kommunisten unter der stabilen westlichen kapitalistischen Ordnung.
Um letztere Methode zu bestärken, bediente man sich fälschlicherweise der Erfahrungen der Bolschewiki in Russland, herausgelöst aus dem geschichtlichen Zusammenhang. Die Bündnisangebote an andere, kleinbürgerliche und selbst bürgerliche Parteien, waren angesiedelt in einer Zeit, in der die zaristische Macht alle diese Bewegungen ausserhalb der Gesetze stellte und sie zwang, aufrührerisch zu kämpfen. In Europa konnte man gemeinsame Aktionen, sei es auch nur aus taktischen Gründen, nur auf legalem Boden vorschlagen, ob nun gewerkschaftlich oder parlamentarisch. In Russland waren die Erfahrungen eines liberalen Parlamentarismus und selbst die einer gesetzlich bewilligten Gewerkschaftsarbeit äusserst kurz, 1905 und einige Monate 1917; ein halbes Jahrhundert Degeneration hatte im restlichen Europa aus diesen Bereichen ein günstiges Terrain zur Einschläferung aller revolutionären Energien bereitet und zur Vereinnahmung der proletarischen Führer zu Diensten der Bourgeois. Die in der Geschlossenheit und Prinzipienfestigkeit liegende Gewähr der bolschewistischen Partei war eine völlig andere Sache als eine Gewähr, die von der Existenz der staatlichen Macht in Russland ausging, die, wie die Geschichte zeigte, wegen ihrer gesellschaftlichen Bedingungen selbst und den internationalen Verhältnissen am geeignetsten dafür war, von einem Abschwören von den revolutionären Richtlinien und Grundsätzen umgestürzt zu werden.

13. Fälschliche Taktik der Bündnisse zwischen Kommunisten und Sozialisten im proletarischen Kampf (Einheitsfront) und, noch sschlimmer, auf parlamentarischer Ebene, um zu einer gemeinsamen und legalen Eroberung der Macht zu gelangen (Arbeiterregierungen).
Deshalb verfocht die Linke der Internationale, der die überwältigende Mehrheit der Kommunistischen Partei Italiens bis zum Zeitpunkt ihrer praktischen Vernichtung durch die Reaktion (begünstigt vor allem durch Fehler der geschichtlichen Strategie) angehörte, dass man im Westen jegliche Bündnisse mit sozialistischen oder kleinbürgerlichen Parteien (die Taktik der politischen Einheitsfront), wie auch Bündnisangebote an diese, verwerfen solle. Sie räumte ein, dass man den Einfluss auf die an all den wirtschaftlichen und lokalen Kämpfen teilnehmenden Massen zu vergrössern trachten müsse und forderte die Arbeiter aller Organisationen und Richtungen dazu auf, diesen Kämpfen zu einem besseren Verlauf zu verhelfen, aber sie verneinte kategorisch, dass man je die Handlungen der Partei dazu verpflichten dürfe, sich einem politischen Komitee, einer Front, eines Blocks oder eines Parteienbündnisses unterzuordnen (und sei es auch nur in öffentlichen Verlautbarungen und nicht in wirklicher Absicht und nicht gemäss der Weisungen des internen Apparats). Noch entschiedener wies sie die vorgeblich »bolschewistische« Taktik der »Arbeiterregierungen« zurück, das heisst der Ausgabe der Agitationslosung für die parlamentarische Machtergreifung vermittels aus Kommunisten und Sozialisten verschiedenster Schattierungen zusammengewürfelter Mehrheiten (was jedesmal ein praktisches Experiment mit verheerendem Ausgang wurde). Wenn sich die bolschewistische Partei gefahrlos den Plan einer provisorischen Regierung unter Einbeziehung mehrerer Parteien in der revolutionären Phase vornehmen konnte, und wenn dies den Bolschewiki erlaubte, sofort zur entschiedensten Handlungsautonomie zu gelangen und zum Verbot der zeitweiligen Verbündeten selbst, so war dies einzig und allein wegen der Verschiedenheit der Konstellation der geschichtlichen Kräfte möglich: Dringlichkeit zweier Revolutionen und vom Staat auferlegte destruktive Eigenschaft jeglichen Versuchs der Machteroberung auf parlamentarischem Wege. Völlig abwegig also, eine solche Strategie auf eine Konstellation zu übertragen, in der der bürgerliche Staat ein halbes Jahrhundert demokratischer Tradition hinter sich hat und in Verbindung mit Parteien, die nur die Verfassungsmässigkeit anerkennen.

14. Negative Bilanz der Taktik der Dritten Internationale in den Jahren 1921-1926: objektive Kampfbedingungen und Kräfteverhältnis zwischen den Klassen durch die Manöver nicht verschoben; jedoch eindeutige Verschlechterung der unverzichtbaren Kontinuität der Grundsätze und der Organisation der kommunistischen Bewegung und ihrer Kamffähigkeit.
Die Erfahrung mit der von der Internationale von 1921 bis 1926 angewendeten taktischen Vorgehensweise war schlecht, und trotzdem wurden auf jedem Kongress ( III., IV., V. Kongress und Sitzung der erweiterten Exekutive 1926) opportunistischere Versionen vorgetragen. Grundlegend für die Methode war das Gesetz: die Taktik gemäss der Analyse der Situation verändern. Mit diesen angeblichen Analysen erkannte man alle sechs Monate neue Entwicklungsstadien des Kapitalismus und man bildete sich ein, diesen mit neuen Manövern zu begegnen. Im Grunde besteht darin der Revisionismus, der immer »voluntaristisch« gewesen ist; besser gesagt, sobald der Revisionismus feststellte, dass sich die Voraussagen über den Anbruch des Sozialismus noch nicht verwirklichten, beabsichtigte er, die Geschichte vermittels neuer Praxis zu zwingen, aber damit hat er auch aufgehört für die proletarischen und sozialistischen Ziele unseres Maximalprogramms zu kämpfen. Um 1900 sagten die Reformisten, dass die Lage nunmehr die Möglichkeiten des Aufstands ausschliesst und es nichts einbringt, auf das Unmögliche zu hoffen: lasst uns die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen wie legale Wahlen und Reformen und gewerkschaftliche Errungenschaften. Auf den Fehlschlag dieser Methoden reagierte der gewerkschaftliche Voluntarismus, indem er die Schuld auf die politische Vorgehensweise und die politischen Parteien schob und er pries, um eine Wendung herbeizuführen, die Anstrengungen verwegener Minderheiten im allein von den Gewerkschaften geführten Generalstreik an. Von damals nicht verschieden wollte man, als man sah, dass das Proletariat im Westen nicht zum Kampf für seine Diktatur antritt, zu einem Ersatz Zuflucht nehmen, um den Engpass zu überwinden. Der Erfolg war, dass sich, der Moment des Ungleichgewichts der kapitalistischen Kräfte vorüber, die objektive Lage und das Kräfteverhältnis nicht änderten, wohingegen die Bewegung erschlaffte und dann korrumpiert wurde: gleichsam wie es dazu gekommen war, dass die eifrigen Links- und Rechtsrevisionisten des revolutionären Marxismus im Dienste der Bourgeois in den Kriegsallianzen endeten. Die theoretische Vorbereitung und Wiederherstellung der Grundsätze wurde sabotiert als man Verwirrung stiftete zwischen dem Programm der vollständigen Machteroberung des Proletariats und dem Aufkommen »ähnlicher« Regierungen mittels parlamentarischer und ministerieller Teilnahme und Unterstützung durch Kommunisten: in Thüringen und Sachsen endeten solche Erfahrungen als Farce, ein paar Polizisten genügten, um die kommunistischen Regierungschefs aus ihren Sesseln zu jagen.

15. Schädliche Auswirkungen der Organisationsmethoden der blockartigen »Verschmelzung« mit abgetrennten Flügeln der sozialdemokratischen Parteien, oder der Förderung von »Fraktionen« innerhalb dieser Parteien, die als Sympathisanten der Kommunisten betrachtet wurden, was zur Verwässerung der internationalen Organisation und ihrer Kraft führte.
Nicht weniger Verwirrung verursachte man in Innern der Organisation, und man gefährdete die schwierige Arbeit der Scheidung der revolutionären Elemente von den opportunistischen in den verschiedenen Parteien und Ländern. Man glaubte, sich neue, vom Zentrum leicht manövrierbare Kräfte zu verschaffen, indem man den sozialdemokratischen Parteien die linken Flügel als Ganzes entriss. Dahingegen hätte die neue Internationale, nach der ersten Entstehungsperiode, beständig als Weltpartei funktionieren müssen, in deren nationale Sektionen die neuen Anhänger individuell einzutreten haben. Man wollte starke Gruppen von Arbeitern gewinnen, statt dessen verhandelte man mit den Führern, brachte die Führungsschicht der Bewegung durcheinander, zerriss sie und setzte sie, in Zeiten des Kampfs, neu zusammen. Man erkannte Zellen und Fraktionen innerhalb der opportunistischen Parteien an und vollführte mit ihnen organisatorische Verschmelzungen; anstatt tauglich zum Kampf zu werden, wurden so gut wie alle Parteien so in einem permanenten Krisenzustand gehalten und handelten ohne Beständigkeit und ohne feste Trennung zwischen Freund und Feind und verzeichneten in den verschiedensten Ländern unaufhörlich Niederlagen. Die Linke forderte die organisatorische Einigkeit und Beständigkeit.
Ein anderer Streitpunkt war die Organisation nach Arbeits- statt nach Wohnort, die man den kommunistischen Parteien geben wollte. Dies schränkte den Horizont der Basisorganisation ein und lief auf ihre Zusammensetzung mit Elementen der gleichen Berufe und gleichlautenden wirtschaftlichen Interessen heraus. Die natürliche Synthese der verschiedenen gesellschaftlichen »Triebe« in der Partei und in ihrer einheitlichen Zielsetzung verringerte sich und kam nur noch in den Losungen zum Ausdruck, die die Vertreter der höheren Ebenen überbrachten, die mehr und mehr zu Funktionären wurden und anfingen, all die treffenden Merkmale des politischen und gewerkschaftlichen Funktionärswesen der alten Bewegung aufzuweisen. Eine solche Kritik darf nicht verwechselt werden mit einer Forderung nach »innerer Demokratie« und einer Beschwerde darüber, dass die Führungsschicht nicht aus »freien Wahlen« hervorgeht. Es handelt sich vielmehr um eine tiefgreifende Meinungsverschiedenheit über den vorbestimmten organischen Charakter der Partei als in der Wirklichkeit des Klassenkampfs lebender geschichtlicher Körper, um eine tiefgreifende und grundsätzliche Abweichung, die die Parteien zur Unfähigkeit brachte, die opportunistische Gefahr vorauszusehen und ihr entgegenzutreten.

16. Falsches Verhältnis zwischen Staat und proletarischer Partei in Russland. Die Disziplin wurde nicht dem organischen Zusammenhang zwischen Grundsätzen und Methoden anvertraut sondern Zwangsmassnahmen gegen Parteimitglieder oder Ausgeschlossene, der Opportunismus zum Eintritt in die an der Macht befindliche Partei so begünstigt. Falsches Verhältnis zwischen den Parteien der Internationale.
Gleichartige Abweichungen ergaben sich im Innern Russlands, wo sich, zum ersten Mal in der Geschichte, das nicht einfache Problem der Organisation und Disziplin innerhalb der kommunistischen Partei stellte, die vollständig an die Macht gekommen ist und die natürlich ihre eigenen Kräfte enorm anwachsen sah. Allein die Schwierigkeiten zwischen dem inneren gesellschaftlichen Kampf für eine neue Wirtschaft und dem revolutionären politische Kampf im Ausland verursachten selbst strittige Meinungen und Strömungen zwischen den Bolschewiki der alten Garde und den neuen Mitgliedern. Es geschah, dass die Führungsgruppe der Partei, die ausser dem Partei- auch den gesamten Staatsapparat kontrollierte, sich im Durchsetzen der eigenen Meinung oder der der Mehrheit, die sich in der Führung herausschälte, nicht darauf beschränkte, sich der aus der Parteilehre, ihrer Kampftradition und aus der Einheit und des organischen Charakters der internationalen revolutionären Bewegung abgeleiteten Vorgehensweise zu bedienen, sondern sie begann, die Opposition und Proteste seitens der Parteimitglieder zu unterdrücken und schlug diese mittels vom Staatsapparat verübten Massnahmen. Man behauptete, dass es eine revolutionäre Notwendigkeit sei, dass der Ungehorsam gegenüber der Parteizentrale nicht nur durch parteiinterne Massnahmen bis hin zum Parteiausschluss zu ahnden sei, sondern betrachtete diesen Ungehorsam auch als eine Verletzung der Ordnung des revolutionären Staates. Ein gleichartiges falsches Verständnis zwischen den zwei Organen Staat und Partei lag offensichtlich in der Möglichkeit für die Gruppe, die beide beherrschte, jegliches Verlassen der der Partei seit dem Ende der vorrevolutionären Epoche und der gesamten proletarischen Weltbewegung gehörenden historischen Linie und grundsätzlichen Weisungen durchzusetzen. Die Partei muss als ein in seiner Aktion und in seiner Lehre einheitlicher Organismus aufgefasst werden, das Dazugehören erlegt den Führern und Parteigenossen bindende Verpflichtungen auf, aber der Akt des Beitritts (oder des Austritts) erfolgt ohne jeglichen Einsatz physischen Zwangs, und dies muss auf diese Weise vor, während und nach der Eroberung der Macht vonstatten gehen. Die Partei leitet, so wie sie allein und selbständig den Kampf der ausgebeuteten Klasse zum Sturz des kapitalistischen Staates geführt hat, auf gleiche Weise allein und selbständig den Staat des revolutionären Proletariats; aber der Staat (wegen seiner Eigenschaft als historisch vorübergehendes revolutionäres Organ) kann keine gesetzlichen oder polizeilichen Eingriffe gegen Parteimitglieder oder -gruppen durchführen, ohne dass dies nicht ein Hinweis auf eine schwere Krise wäre. Sobald derartige Massnahmen um sich griffen, bewahrheitete sich der opportunistische Einfluss auf die Partei seitens Elementen, die kein anderes Ziel hatten, als Vorteile zu erlangen oder ihre Interessen vom Staatsapparat toleriert zu sehen; und man billigte bedenkenlos solche verderblichen Beitritte. Während sich der Staatsapparat nicht anschickte zu schrumpfen, erlebte man eine schädliche »Aufblähung« der Partei an der Macht.
Diese mechanische Umkehrung des Einflusses erlaubte es, dass es den Heterodoxen [Irrgläubigen] gelang, die Orthodoxen [Strenggläubigen] aus der Führung, aus der Partei, aus dem Sowjetstaat zu verjagen, dass die Verräter der revolutionären Grundsätze deren Verteidiger lähmten und schliesslich gegen sie prozessieren und sie richten konnten, auch diejenigen, die viel zu spät das nicht wiedergutzumachende Abrutschen bemerkten.
Tatsächlich löste die politische Regierung, die in sämtlichen Kampf- und Widerstandsverhältnisse zu den inneren feindlichen Kräften als auch zu den äusseren bürgerlichen Regierungen stak und ihnen ausgesetzt war, die Aufgaben und diktierte diese Lösungen dem Organisations- und Leitungszentrum der russischen Partei; diese wiederum dominierte und manipulierte leicht und wie sie wollte, in der Organisation wie auf den internationalen Kongressen, die Parteien der anderen Länder und die Direktiven der Komintern, die immer mehr nach Anpassung und Eklektizismus rochen.
Die Italienische Linke vertrat stets, ohne die revolutionären historischen Verdienste der russischen Partei zu bezweifeln, die die erste lokale Revolution zum Sieg geführt hatte, dass die Beiträge der anderen sich im offenen Kampf mit der bürgerlichen Herrschaft befindlichen Parteien unverzichtbar blieben. Es war von daher erforderlich, dass die Hierarchie zur Findung von Lösungen für die internationalen und russischen Probleme der Aktion folgende sein musste: die Internationale der kommunistischen Parteien der Welt; ihre einzelnen Sektionen, darunter die russische; für die russische Politik die kommunistische Partei als Ausführungsorgan der Parteidirektiven. Mit einer anderen Abfolge konnte der internationalistische Charakter der Bewegung und ihre revolutionäre Schlagkraft nur in Gefahr bleiben.
Selbst Lenin hat sehr oft eingeräumt, dass, wenn sich die Revolution europa- oder weltweit ausdehnt, die russische Partei nicht auf den zweiten, sondern höchstens auf den vierten Platz in der politischen und sozialen Gesamtleitung der kommunistischen Revolution rutschen würde. Und nur zu dieser Bedingung liess sich ein mögliches Auseinanderlaufen der Interessen des russischen Staates und der Ziele der kommunistischen Weltrevolution vermeiden.

17. Entscheidendes Auftreten der dritten opportunistischen Welle und Entartung der proletarischen Partei; gegenüber den unterdrückerischen und totalitären bürgerlichen Herrschaftsformen (Faschismus, Nazismus, Falangismus usw.) keine proletarische Gegenoffensive sondern Verteidigung liberaler bürgerlicher Positionen; Abschwören von den Grundsätzen und der geschichtlichen Kontinuität, Zerfall der kommunistischen Reife der Parteien.
Es ist nicht möglich, den Zeitpunkt des Beginns der dritten opportunistischen Welle exakt auszumachen, der dritten Entartungskrankheit der proletarischen Weltpartei, folgend auf diejenige, die Marx' Internationale lähmte und die andere, die die zweite sozialistische Internationale schändlich zu Fall brachte. Aus den taktischen, politischen und organisatorischen Abweichungen, wie sie in den Punkten 11, 12, 13, 14, 15 und 16 behandelt sind, folgt der Fall in den blanken Opportunismus mit der Haltung, die Moskau gegenüber dem Auftauchen totalitärer bürgerlicher Regierungsformen und der Unterdrückung der revolutionären Bewegung eingenommen hat. Letztere folgten auf die Zeit der grossen proletarischen Attacken (die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, Italien, Ungarn, Bayern, den Balkanländern usw. entfesselten), und sie wurden mit marxistisch zweifelhaften Formeln definiert, auf wirtschaftlichem Gebiet als eine Unternehmeroffensive, die darauf abzielt, den Entlohnungsgrad der arbeitenden Klassen zu senken, auf politischem Gebiet als einen Vorstoss, die demokratischen und liberalen Freiheiten zu unterdrücken, welche für ein günstiges Umfeld eines Vormarschs des Proletariats gehalten wurden, wo doch der Marxismus dies traditionell als die übelste Atmosphäre der Korruption der Revolution ansieht. Es handelte sich im Gegenteil um die völlige Verwirklichung der grossen, vom Marxismus (und nur von ihm) vorhergesehenen historischen Begebenheit: die wirtschaftliche Konzentration, die den gesellschaftlichen und weltweiten Charakter der kapitalistischen Produktion klar herausstellte, zwang diese dazu ihren Mechanismus zu vereinigen und die Konsequenzen auf dem Gebiet der Politik und des sozialen Kriegs, die aus der erwarteten Entscheidungsschlacht der Klassen herrührten, entsprachen derjenigen Alternative, in der der Druck des Proletariats beständig unter dem Verteidigungspotential des kapitalistischen Klassenstaats blieb.
Man fiel seitens der Führer der Internationale, wegen einer groben geschichtlichen Verwechslung mit der russischen Kerenski-Periode, nicht nur in einen schweren Fehler theoretischer Interpretation, sondern auch in eine folgerichtige und unvermeidliche Umwälzung der Taktik. Man entwarf für das Proletariat und die kommunistischen Parteien eine defensive und konservative Strategie und riet ihnen, mit allen weniger zum Krieg gerüsteten und aufgeklärten (und gerade deswegen zum Verbündeten weniger geeigneten) bürgerlichen Gruppen Fronten zu bilden, die unterstützen, dass den Arbeitern unmittelbare Vorteile zu gewährleisten sind und dass den breiten Volksschichten das Wahlrecht und die Versammlungsfreiheit usw. nicht gestrichen wird. Einerseits verstand man damit nicht, dass der Faschismus und Nationalsozialismus gar nichts zu tun hatten mit einer Rückkehr von despotischen und feudalen Regierungsformen und noch weniger mit einer Vorherrschaft vorgeblich rechter bürgerlicher Schichten, die zu der vorgeschrittensten kapitalistischen Klasse der grossen Industrie in Opposition stehen, oder mit einem Versuch einer autonomen Regierung der zwischen Proletariat und Unternehmertum angesiedelten Klassen; andererseits verstand man nicht, dass während sich der Faschismus der dreckigen parlamentarischen Maske entledigte, dieser das volle Erbe des pseudomarxistischen sozialen Reformismus antrat und er, durch eine Serie von Massnahmen und Eingriffen des Klassenstaats, im Interesse der Erhaltung des Kapitalismus, der Arbeiterschaft und den anderen schlechtergestellten Klassen nicht nur die mindesten, sondern eine ganze Reihe sozialer Fortschritte und Unterstützungsleistungen sicherte. Es wurde die Losung des Kampfs um die Freiheit ausgegeben und 1926 vom Vorsitzenden der Internationale der italienischen Partei auferlegt, in deren Reihen quasi die Gesamtheit der Mitglieder gegen den schon seit vier Jahren sich an der Macht befindlichen Faschismus eine selbständige Klassenpolitik führen wollte, aber nicht eine Blockpolitik mit allen demokratischen und gar monarchistischen und katholischen Parteien, um mit ihnen die Wiedereinführung der verfassungsmässigen und parlamentarischen Garantien zu fordern. Die italienischen Kommunisten wollten von da an die Inhalte der antifaschistischen Opposition aller mittelbürgerlichen, kleinbürgerlichen und pseudoproletarischen Parteien ausschliessen; und sie sahen umsonst voraus, seitdem, dass jede revolutionäre Energie Schiffbruch erleidet, die den Weg der Entartung einschlägt, der schliesslich bei den Nationalen Befreiungskomitees endet.
Die Politik der kommunistischen Parteien ist von Natur aus offensiv und in keinem Fall darf sie für die illusorische Erhaltung von Bedingungen kämpfen, die den kapitalistischen Institutionen eigen sind. Wenn in der Zeit vor 1871 das Proletariat an der Seite der Bourgeoisie kämpfen konnte, dann geschah dies nicht, weil es gegebene Positionen verteidigen oder den Rückfall erreichter geschichtlicher Formen verhindern konnte, sondern deshalb, weil es vorhergehende historische Formen zerschlagen und überwinden konnte. In den Tageskämpfen wie in der allgemeinen Weltpolitik hat das Proletariat, das nichts zu verlieren hat, nichts zu verteidigen und seine Aufgabe besteht einzig im Angriff und der Eroberung. In dem Auftauchen der Erscheinungen des Kapitalismus wie Konzentration, Vereinheitlichung und Totalitarismus muss die Partei vor allem erkennen, dass dies gerade der völlige Sieg ihrer theoretischen Lehre bedeutet und sie sich von daher nur noch um das tatsächliche Kräfteverhältnis für die Schlachtordnung im revolutionären Bürgerkrieg kümmern muss, ein Kräfteverhältnis, das die Wellen opportunistischer und versöhnlerischer Entartung - und nur sie alleine - bis heute ungünstig werden liessen; die Partei muss das Mögliche tun, um den Endkampf zu entfesseln, und wo sie dies nicht kann, muss sie der Niederlage die Stirn bieten, sie darf aber nie ein kleinmütiges und defätistisches 'vade retro satana' [='Weiche zurück, Teufel'] ausstossen, das einem dümmlichen Erflehen von Toleranz und Gnade beim Klassenfeind gleichkommt.

c. die dritte Welle: ab 1926
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18. In der modernen Phase des »unwiderruflichen«Kapitalismus waren die Aufstandsbündnisse (Spanien, Résistance, Partisanenbewegung) Verrat und Klassenkollaboration.
In der zweiten der grossen geschichtlichen Wellen des Opportunismus kam der Verrat in humanitären, philantropischen und pazifistischen Formen daher und spitzte sich in der Diffamierung der Methode des Aufstands und bewaffneten Aktion zu (um dann in der Verteidigung der legalen und staatlichen Kriegsgewalt zu münden); in der dritten Entartungswelle ist ein neuer Fakt, dass der Verrat an und die Abweichung von der klassengemässen revolutionären Linie sich auch in Formen wie Bürgerkrieg und Gefechtsaktionen ausdrückte. Die Kritik der Abweichung von der Klassenlinie bleibt in dieser Phase dieselbe, gerichtet gegen gemeinsame Fronten, Blöcke, Allianzen zu rein propagandistischen oder parlamentarischen Zwecken, genauso wenn es sich um zwitterhafte Geheimabsprachen mit der kommunistischen Partei fremden Bewegungen handelt, um in einem Lande eine Regierung durch die andere abzulösen, in einem militärischen Kampf, der auf Eroberung von Territorium und Machtpositionen basiert. Daher bedeutete die ganze Bündnispolitik im spanischen Bürgerkrieg, zustandegekommen in zwischenstaatlichen Friedenszeiten, wie die ganze Bewegung der Partisanen oder des sogenannten Widerstands gegen die Deutschen oder die Faschisten, veranstaltet während des zwischenstaatlichen Kriegszustands im Zweiten Weltkrieg, unwiderruflich und trotz des Waffeneinsatzes ein Verrat des Klassenkampfs und eine Form der Kollaboration mit kapitalistischen Kräften. Falls die Weigerung der kommunistischen Partei, sich zwischen- und überparteilichen Komitees unterzuordnen, lediglich noch unerbittlicher werden muss, dann, wenn man vom Boden der gesetzlich erlaubten Agitation auf den wichtigen und vorrangigen Boden der verdeckten Bewegung und zur Vorbereitung der Waffen und Aufstellung der Kämpfer überwechselt, ein Terrain, auf dem es kriminell wäre, irgend etwas mit nicht klassengemässen Bewegungen gemein zu haben. Es ist nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass alle diese Geheimabsprachen sich im Falle der Niederlage in der Rache an den Kommunisten auflösten, im Falle eines scheinbaren Sieges in der vollständigen Entwaffnung des revolutionären Flügels und in der Entartung seiner Partei, um neuen legalen und konsolidierten Bedingungen bürgerlicher Ordnung Platz zu machen.

19. Verleugnung der konterrevolutionären Grundsätze und Politik während des Zweiten Weltkriegs. Während des deutsch-russischen Bündnisses Erklärung des imperialistischen Charakters des Krieges und Empfehlung des Defätismus in England und Frankreich. Während des Bündnisses mit dem anglo-amerikanischen Imperialismus Erklärung des demokratischen Charakters des Krieges. Zerstörung jeglicher europäischer und russischer revolutionären geschichtlichen Tradition. Völliger Zusammenbruch der revolutionären Reife der kommunistischen Parteien.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden allen genannten Manifestationen des Opportunismus in der den europäischen Parteien aufgezwungenen Taktik und in der Regierungs- und Polizeipraxis in Russland die Krone aufgesetzt durch die vom russischen Staat gegenüber den anderen kriegsführenden Staaten eingeschlagene Politik und den von Moskau den kommunistischen Parteien gegebenen Weisungen. Dass diese in allen Ländern den Kriegsbeitritt abgelehnt und daraus Nutzen gezogen hätten, um eine defätistische Klassenaktion in Gang zu bringen, mit dem Ziel, den Staat niederzuwerfen, das kam nicht vor. Mehr noch, in einer ersten Phase wurde von Russland ein Vertrag mit Deutschland geschlossen und dann, nachdem man anordnete, dass die deutsche Sektion nichts gegen die hitlersche Macht unternimmt, wagte man, den französischen Kommunisten eine angeblich marxistische Taktik vorzuschreiben, da man den Krieg der englischen und französischen Bourgeoisie für imperialistisch erklärte und so diese Parteien aufforderte, illegale Aktionen gegen Staat und Armee auszuführen; aber sobald sich der russische mit dem deutschen Staat in einer militärischen Auseinandersetzung befand und von daher Interesse an der Schlagkraft aller Kräfte hatte, die sich gegen diesen schlugen, erhielten die Parteien Englands, Frankreichs usw. gegenteilige Weisung und den Befehl, zur Front der Nationalverteidigung überzugehen (genauso wie es die Sozialisten, von Lenin scharf verurteilt, 1914 gemacht hatten). Aber man stellte auch jegliche theoretische historische Position auf den Kopf und erklärte, dass der Krieg der Westmächte gegen Deutschland kein imperialistischer Krieg wäre, sondern ein Krieg um Freiheit und Demokratie, und dies dès le début, von Anfang an, seit 1939, seit der Konflikt ausgebrochen und die gesamte pseudokommunistische Presse und Propaganda gegen England und Frankreich lanciert worden war! Es ist also klar, dass die Kräfte der kommunistischen Internationale, die an einem bestimmten Zeitpunkt formell liquidiert wurde, um den imperialistischen Mächten eine bessere Gewähr dafür zu geben, dass die kommunistischen Parteien ihrer Länder völlig im Dienst ihrer jeweiligen Nationen und Vaterländer waren, in keinem Abschnitt des langen Krieges dazu gebraucht wurden, den Sturz einer kapitalistischen Macht und die Bedingungen einer Machteroberung seitens der Arbeiterklasse herbeizuführen: sie wurden, im Gegenteil, nur stets in offener Zusammenarbeit mit einer imperialistischen Gruppe benutzt, und darüber hinaus erprobte man die Zusammenarbeit mit dieser oder jener Gruppe, jenachdem sich die nationalen und militärischen Interessen Russlands veränderten. Dass es sich nicht mehr nur um eine einfache, wenn auch enorm übertriebene opportunistische Taktik handelte, sondern um eine völlige Aufgabe der historischen Positionen, ergibt sich aus der Dreistigkeit mit der die Definition der bürgerlichen Mächte politisch verändert wurde. Frankreich, England und Amerika, von 1939-1940 imperialistisch und plutokratisch, werden in den darauffolgenden Jahren hingegen Vertreter des Fortschritts, der Freiheit und der Zivilisation und haben mit Russland das Programm der Neuordnung der Welt gemeinsam. Aber eine solch erstaunliche Umwandlung, die man mit marxistischen und leninistischen Texten und Lehren in Einklang zu bringen sich anmasst, hat niemals definitiven Charakter, denn die ersten Meinungsverschiedenheiten seit 1946 und danach und die ersten lokalen Konflikte in Europa und Asien genügten, um die gleichen Staaten mit den glühendsten Ausdrücken in den schändlichen Höllenkreis des Imperialismus zurückzuschicken.
Es ist von daher überhaupt kein Wunder, wenn die Wagnisse, denen die in Moskau in den Jahren 1919-1920 vereinten revolutionären Parteien ausgesetzt waren und die im Verlaufe von dreissig Jahren in diesen Parteien jeglichen Überrest revolutionären Klassencharakters zerstört hatten, in »zunehmendem« Rhythmus voranschritten, von den Kontakten mit den tags zuvor noch zurückgestossenen Sozialverrätern und Sozialpatrioten zu den Einheitsfronten, zu den Experimenten der auf die Diktatur verzichtenden gemeinsamen Arbeiterregierungen, zu den Blöcken mit weiteren Parteien des Kleinbürgertums und der Demokratie, und schliesslich zur vollständigen Unterwerfung unter die Kriegspolitik der kapitalistischen Mächte, die heute offen nicht nur als imperialistisch, sondern gleichen Masses wie seinerzeit Deutschland oder Italien als »faschistisch« angesehen werden.

20. In der dritten historischen Welle des Opportunismus erfolgte eine Synthese der verderblichen Kennzeichen der zwei vorhergehenden: Beteiligung an konstitutionellen Einheitsregierungen, nicht nur Empfehlung des legalen Kampfes sondern Verleugnung der Notwendigkeit des revolutionären Wegs zur Machtübernahme seitens der Arbeiter; nicht nur Verzicht auf Störung jeder Regierung, sondern Beteiligung an im Krieg gebildeten Regierungen zur nationalen Verteidigung - gestern für die Achsenmächte, heute für den Westen - bis hin zur formellen Liquidation der Komintern. Klare Vorraussicht des noch größeren Schadens der proletarischen Klassenkräfte im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Wellen.
Die dritte historische Welle des Opportunismus vereinigt die verderblichsten Züge der zwei vorhergehenden Wellen in sich, im gleichen Mass wie der heutige Kapitalismus alle seine Entwicklungsphasen enthält.
Die opportunistischen Parteien, mit all den ausdrücklich bürgerlichen Parteien in den nationalen Befreiungskomitees verbunden, beteiligen sich zusammen mit diesen, nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs, an verfassungsmässigen Regierungen. In Italien beteiligen sie sich sogar an monarchistischen Kabinetten und vertagen die institutionelle Frage der Staatsform auf einen »passenderen« Moment. Folglich verneinen sie den Gebrauch revolutionärer Methoden zur Eroberung der politischen Macht seitens des Proletariats und befürworten die Notwendigkeit des parlamentarischen und legalen Kampfes, dem alle klassenmässigen Impulse des Proletariats im Hinblick auf einen pazifistischen und parlamentarisch-mehrheitlichen Weg der Gewinnung politischer Macht untergeordnet werden. Sie postulieren die Beteiligung an Regierungen der nationalen Verteidigung, verhindern jede Störung der kriegführenden Regierungen, wie sie sich während des ersten Kriegsjahrs schwer davor hüteten, die faschistischen Regierungen zu sabotieren, sondern überdies deren Kriegsfähigkeit durch Lieferung von Grundbedarfsartikeln nährten.
Der Opportunismus folgt seinem verhängnisvollen Verlauf und opfert dem Imperialismus, dem Klassenfeind des Proletariats auch formell die 3. Internationale zur »weiteren Verstärkung der Einheitsfront der Alliierten und der anderen angegliederten Nationen«. So bewahrheitete sich die historische Vorhersage der Italienischen Linken, vorausgesehen in den ersten Lebensjahren der 3. Internationale. Es war unvermeidlich, dass die Riesenhaftigkeit des Opportunismus in der Arbeiterbewegung zur Vernichtung aller revolutionären Ansprüche führen würde.
Die Wiederherstellung der Klassenkraft des Weltproletariats stellt sich daher als stark verzögert und schwierig heraus und erfordert eine grössere Anstrengung.

21. Unvermeidliche Konsequenz des Masseneinflusses, einerseits der alten sozialistischen Parteien, andererseits der noch kommunistisch genannten Parteien (die aber gegenüber den revolutionären Methoden und Grundsätzen eine defätistische Politik entfalteten), ist die Unmöglichkeit jeglichen ernsthaften Angriffs auf die bürgerliche Macht nach dem Zweiten Weltkrieg, weder in den siegreichen und mit Russland verbündeten, noch in den besiegten Ländern, die mit Russlands Einvernehmen und Teilnahme zu konterrevolutionären Zwecken besetzt wurden.
Der konterrevolutionäre Einfluss auf das Weltproletariat verstärkte und vertiefte sich durch die direkte Teilnahme der opportunistischen Parteien an der Seite der Siegerstaaten des Zweiten Weltkriegs und führte zur militärischen Besetzung der besiegten Länder, um die Erhebung der ausgebeuteten Massen zu verhindern. Diese Besetzungen wurden mit konterrevolutionärer Zielsetzung von allen sogenannten sozialistischen und kommunistischen Parteien während der Konferenzen von Yalta und Teheran akzeptiert und gerechtfertigt. Man verhinderte so, in den besiegten wie den gesiegt habenden Ländern, jede ernsthafte Möglichkeit eines revolutionären Angriffs auf die bürgerliche Macht. So erwies sich die Position der Italienischen Linken als richtig, welche, den Zweiten Weltkrieg für imperialistisch haltend und die militärische Besetzung der besiegten Länder für konterrevolutionär, die absolute Unmöglichkeit einer unvermittelten Wiederaufnahme der Revolution vorhersah.

22. Falsche Theorie von der Koexistenz zwischen der Welt der kapitalistischen und der sozialistischen Staaten, Maske für die Realität des kapitalistischen Inhalts des gesellschaftlichen Aufbaus der russischen Staatsmacht. Ein proletarischer Staat (der heute nicht existiert) erklärt und unterhält den Klassenkrieg im Innern der bürgerlichen Länder, wenn er nicht zum heiligen Krieg der sozialistischen Länder gegen die kapitalistischen Nationen aufruft.
In perfekter Übereinstimmung mit der ganzen immer offener konterrevolutionär werdenden Vergangenheit erneuerten Russland und die Tochterparteien die Theorie der beständigen Kollaboration zwischen den Klassen und postulierten die friedliche Koexistenz in der Welt zwischen den kapitalistischen und sozialistischen Staaten. Der Kampf zwischen den Staaten wurde durch den friedlichen Wettbewerb der Staaten ersetzt und wiedereinmal die revolutionäre marxistische Lehre begraben. Ein sozialistischer Staat, wenn er nicht den heiligen Krieg gegen die kapitalistischen Staaten ausruft, erklärt und unterhält den Klassenkrieg im Innern der bürgerlichen Länder und bereitet das Proletariat, in Theorie wie Praxis, auf den Aufstand vor; er ist dabei in völliger Übereinstimmung mit dem Programm der kommunistischen Parteien, die es nicht verschmähen, ihre An- und Absichten offen kundzutun (»Manifest der Kommunisten«, 1848) und eben deshalb die gewaltsame Zerschlagung der bürgerlichen Macht lehren und voraussetzen.
Die Staaten und Parteien also, die nur die »Koexistenz« und den Wettbewerb zwischen den Staaten ins Auge fassen, statt die absolute Unvereinbarkeit zwischen zwei feindlichen Klassen zu propagieren und den bewaffneten Kampf für die Befreiung des Proletariats vom kapitalistischen Joch, sind in Wirklichkeit weder revolutionäre Staaten noch revolutionäre Parteien und ihre Phraseologie maskiert den kapitalistischen Gehalt ihres Gefüges.
Die Fortdauer dieser Ideologie im Proletariat bedeutet einen tragischen Verzug, ohne dessen Überwindung es keine Wiederaufnahme des Klassenkampfs geben wird.

23. Zurückweisung der pazifistischen Methoden, mit denen man die skandalösen Schwenks in der Bewertung des imperialistischen amerikanischen Kapitalismus verdecken will, der gestern als Retter des europäischen Proletariats angerufen wurde und heute bezeichnet wird mit allen Kennzeichen der offensichtlichen Ausbeutung und Angriffslust, die von Beginn an bestanden haben und nach der Intervention im Ersten Weltkrieg immens gesteigert wurden.
Der politische Opportunismus der dritten Welle zeigt sich noch gemeiner und schändlicher als die Vorausgegangenen, und er fischt in noch widerwärtigeren Gewässern: dem Pazifismus. Das Spielen mit dem Pazifismus, um dann erneut zum Partisanentum zurückzukehren, verdeckt die dreifache unglaubliche Wendung in der Einschätzung des imperialistischen anglo- amerikanischen Kapitalismus: imperialistisch 1939, demokratisch und »Befreier« des europäischen Proletariats 1942, und heute von neuem imperialistisch. Was den reaktionären und imperialistischen Charakter betrifft, zeigte der amerikanische Kapitalismus, wenn auch in geringerem Mass, dass er schon zu Zeiten des imperialistischen Ersten Weltkriegs eine mächtige Lebensfähigkeit besass: ein Aspekt, der mehrere Male von Lenin und der 3. Internationale während der siegreichen Periode des revolutionären Kampfes ins Licht gerückt wurde. Unter Ausnutzung des Eindrucks, den der Pazifismus auf das Proletariat macht, trotz der Offensichtlichkeit, dass dieser untrennbar vom sozialen Pazifismus ist, übt der Opportunismus auf es einen unbestreitbaren feinverzweigten Einfluss aus.
Die Verteidigung des Friedens und des Vaterlandes, propagandistische Elemente, die allen Staaten und Parteien gemein sind, die in der UNO fortleben, einer Neuauflage des Völkerbunds, einer »Räuber«-Gesellschaft nach leninistischer Definition, bilden die Prinzipien des Opportunismus und beruhen auf der Klassenkollaboration.
Die heutigen Opportunisten beweisen, dass sie um Längen ausserhalb des revolutionären Prozesses und sogar tiefer als die Utopisten Saint-Simon, Owen, Fourier und selbst Proudhon stehen.
Der revolutionäre Marxismus weist den Pazifismus als Theorie wie als Propagandamittel zurück und ordnet den Frieden der gewaltsamen Zerschlagung des Weltimperialismus unter: es wird keinen Frieden geben, solange das Proletariat der Welt nicht von der bürgerlichen Ausbeutung befreit ist. Ausserdem entlarvt er den Pazifismus als Waffe des Klassenfeinds, um das Proletariat zu entwaffnen und es dem Einfluss der Revolution zu entziehen.

24. Zurückweisung der eindeutigen Theorie Klassenkollaboration innerhalb der nationalen Regime, die lediglich bedingt ist durch den vermiedenen offenen Krieg zwischen dem Westen und Russland und von einer Ausrichtung auf eine verschwommene Demokratisierung und Reformismus im Rahmen der verfassungsmässigen Ordnung, was einer Entwaffnung der revolutionären Kräfte entspricht, die noch schändlicher ist als die, die der Bourgeoisie von den Sozialpatrioten 1914 angeboten wurde oder von den Ministerialisten à la Millerand, Bissolati, Vandervelde, MacDonald und Konsorten, die von Lenin und der Dritten Internationale bekämpft wurden.
Das Brückenschlagen zu den Parteien des Imperialismus zur Bildung gemeinsamer nationaler Regierungen der »nationalen Einheit« zwischen den Klassen ist nunmehr zur gewohnten Praxis geworden, und der stalinistische Opportunismus verwirklicht diese Bestrebungen in der höchsten zwischenstaatlichen Organisation, der UNO, und verkündet eine stets umfassendere unbegrenzte Kollaboration zwischen den Klassen, unter der Bedingung, dass ein Krieg zwischen den zwei konkurrierenden imperialistischen Blöcken vermieden wird und dass die Unterdrückungsapparate der Staaten mit verschwommener Demokratie und Reformismus getarnt werden.
Da, wo der Stalinismus unbestritten herrscht, hat er diese Voraussetzungen geschaffen und nationale Machtblöcke eingeweiht, in denen alle Gesellschaftsklassen vertreten sind. Mit diesen bildet er sich ein, die jeweiligen konkurrierenden Interessen in Einklang zu bringen, wie es der Block der vier Klassen in China beweist, wo das Proletariat, weit davon entfernt, die Macht erobert zu haben, den unaufhörlichen Druck des jungen Industriekapitalismus erleiden muss und die Kosten des »nationalen Wiederaufbaus« zahlt, im selben Mass wie die Proletarier aller anderen Länder der Welt.
Die der Bourgeoisie von den Sozialpatrioten à la Millerand, Bissolati, Vandervelde, MacDonald usw. angebotene Entwaffnung der revolutionären Kräfte, von Lenin und der 3. Internationale gegeisselt und bekämpft, verblasst angesichts des schändlichen und unverschämten Kollaborationismus der heutigen Sozialpatrioten und Ministerialisten. Die Italienische Linke verwirft aus noch gewichtigeren Gründen, als sie den »Arbeiter-und-Bauern-Regierungen« - einer Ersetzung oder Verdopplung der Diktatur des Proletariats, und also missverständlich und zweideutig oder von der proletarischen Diktatur verschieden und also unannehmbar - entgegenstellte, die offene Theorie der Klassenzusammenarbeit, auch wenn diese nur als Übergangstaktik aufgestellt wird, und fordert für das Proletariat und die Klassenpartei das unbedingte Monopol des Staats und seiner Organe, ihre einheitliche und unteilbare Klassendiktatur.

4. Teil - Tätigkeit der Partei in Italien und anderen Ländern 1952
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Die Geschichte der revolutionären proletarischen Bewegung zeigt, dass es im Verlauf der kapitalistischen Periode Phasen großer Spannung und des Voranschreitens gibt; Phasen des plötzlichen oder langsamen Zurückweichens (aufgrund einer Niederlage oder Zersetzung); und Phasen des langen Abwartens vor einer Wiederaufnahme der Bewegung.
Aus der richtigen Bewertung des historischen Determinismus lässt sich schliessen, dass, während die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise in einzelnen Ländern wie ihre Verbreitung auf der ganzen Welt in technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht nahezu pausenlos voranschreitet, sich die Alternative der anstürmenden Klassenkräfte in der Wechselfolge des allgemeinen geschichtlichen Kampfes verbinden, vermittels den gewonnenen wie den verlorenen Kämpfen und Fehlern der strategischen Methoden.
Die Partei entwickelt ihre Analysen, Vergleiche und Urteile der vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse mit dem Ziel, diese Thesen zu bestätigen; sie schliesst jegliche Theorieausarbeitung aus, die darauf abzielt, neue Theorien zu entwickeln und geht davon aus, dass sich die Gegebenheiten nicht ohne diese grundlegenden Thesen erklären lassen
.

1. Die Geschichte des Kapitalismus weist seit dessen Entstehen eine unregelmässige Entwicklung mit einem Rhythmus periodischer Krisen auf, von denen Marx feststellte, dass sie ungefähr alle zehn Jahre stattfinden und von Perioden fortschreitender intensiver Entwicklung gefolgt werden.
Die Krisen sind untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden, der trotzdem nicht aufhört zu wachsen, sich auszudehnen und aufzublähen; solange, bis die reifen Kräfte der Revolution ihm den Todesstoss versetzen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte der proletarischen Bewegung, dass es im Verlauf der kapitalistischen Periode Phasen eines grossen Drucks und Vorwärtskommens gibt, Phasen eines plötzlichen oder langsamen Rückzugs aufgrund Entartungen und Niederlagen, und Phasen langen Wartens vor der Wiederaufnahme des Kampfs. Die Pariser Kommune wurde gewaltsam niedergeworfen und auf sie folgte eine Periode einer relativ friedlichen Entwicklung des Kapitalismus, während der eben darum revisionistische und opportunistische Theorien entstanden, Beweis für das Zurückweichen der Revolution.
Die Oktoberrevolution wurde durch einen langsamen Rückbildungsprozess niedergeworfen, der in der gewaltsamen Beseitigung ihrer überlebenden Instrumente gipfelte. Seit 1917 ist die Revolution die grosse Abwesende und noch heute erscheint die Wiederaufrichtung der revolutionären Kräfte nicht bevorzustehen.

2. Ungeachtet dieser Rückschritte dehnt sich die kapitalistische Produktionsform aus und setzt sich in technischer und sozialer Hinsicht in allen Ländern ohne Unterlass durch. Dahingegen stimmen die Alternativen der anstürmenden Klassenkräfte überein mit den Wechselfällen des allgemeinen historischen Kampfs, mit dem in den Anfängen der bürgerlichen Vorherrschaft über die feudalen und vorkapitalistischen Klassen bereits angelegten Gegensatz und mit dem politischen Entwicklungsprozess der zwei entgegenstehenden geschichtlichen Klassen, der Bourgeoisie und dem Proletariat; ein von Niederlagen und Siegen und von Fehlern in der taktischen und strategischen Methode gezeichneter Prozess. Die ersten Gefechte gehen zurück auf das Jahr 1789 und reichen über 1848, 1871, 1905, 1917 bis heute, währenddessen die Bourgeoisie, im gleichen ansteigenden Mass wie ihre wirtschaftliche Entwicklung, ihre Kampfwaffen gegen das Proletariat verfeinerte. Angesichts der Ausdehnung und Riesenhaftigkeit des Kapitalismus konnte das Proletariat seine Klassenkräfte nicht immer mit Erfolg anwenden, und es verfing sich nach jeder Niederlage im Netz des Opportunismus und des Verrats, und es blieb über einen immer längeren Zeitraum der Revolution fern.

3. Der Zyklus der erfolgreichen Kämpfe und der immer verheerenderen Niederlagen und der opportunistischen Wellen, in denen die revolutionäre Bewegung dem Einfluss der feindlichen Klasse unterliegt, stellt ein weites Feld nützlicher Erfahrungen für die Entwicklung und Heranreifung der revolutionären Kräfte dar.
Nach Niederlagen ist der Neuanfang langwierig und schwer; in dieser Zeit zerreisst die Bewegung, auch wenn sie nicht an der Oberfläche der politischen Ereignisse erscheint, ihren Faden nicht, sondern sie hält, zusammengeschlossen in einem eingeschränkten Vortrupp, das revolutionäre Verlangen der Klasse aufrecht.
Zeiten politischer Tiefs: von 1848 bis 1867, also von der zweiten Pariser Revolution zum Vorabend des preussisch-französischen Kriegs, wo die revolutionäre Bewegung fast ausschliesslich von Marx, Engels und einem eingeschränkten Kreis von Genossen verkörpert wird. Von 1872 bis 1889: von der Niederlage der Pariser Kommune bis zum Beginn der Kolonialkriege und zum Wiederausbruch der kapitalistischen Krise, welche zum russisch-japanischen Krieg und schliesslich zum Ersten Weltkrieg führt; während dieser Periode des rentrée [Wiederauftritts] der Bewegung wird der Kopf der Revolution von Marx und Engels repräsentiert. Von 1914 bis 1918, dem Zeitraum des Ersten Weltkriegs, währenddessen die 2. Internationale zusammenbrach, brachten Lenin und andere Genossen weniger Länder die Bewegung vorwärts. 1926 begann eine weitere für die Revolution ungünstige Periode, während ihr wurde der Sieg der Oktoberrevolution zunichtegemacht. Nur die Italienische Linke hat die Theorie des revolutionären Marxismus aufrechterhalten und nur in ihr hat sich die Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Klassenkampfs abgesondert. Während des Zweiten Weltkriegs haben sich die Bedingungen für die Bewegung weiter verschlechtert, denn der Krieg zerrte das gesamte Proletariat in den Dienst des Imperialismus und des stalinistischen Opportunismus. Heute sind wir im Zentrum des Tiefs und ein Neubeginn der revolutionären Bewegung ist nicht anders als im Verlaufe vieler Jahre vorstellbar. Die Länge der Periode steht im Verhältnis zum Gewicht der Entartungswelle, wie auch zur immer stärker werdenden Konzentration der gegnerischen kapitalistischen Kräfte: der Stalinismus fasst die schlechtesten Züge der zwei vorausgegangenen opportunistischen Wellen in sich zusammen und gleichzeitig wirkt die Tatsache, dass der heutige kapitalistische Konzentrationsprozess den auf den Ersten Weltkrieg folgenden bei weitem übersteigt.

4. Heute, inmitten des Tiefs und auch wenn die Aktionsmöglichkeiten weitestgehend eingeschränkt sind, beabsichtigt die Partei, der revolutionären Tradition gemäss, nicht, die historische Linie der Vorbereitung eines künftigen im grossen stattfindenden Neubeginns der Klassenbewegung zu unterbrechen, die sich alle Resultate der vergangenen Erfahrungen zu eigen macht. Aus der Beschränktheit der praktischen Aktivität folgt keineswegs ein Verzicht auf revolutionäre Erfordernisse. Die Partei erkennt an, dass bestimmte Tätigkeitsfelder quantitativ besonders eingeschränkt sind, aber deswegen verändern sich weder die Tätigkeitsfelder in ihrer Gesamtheit, noch wird ausdrücklich auf sie verzichtet.

5. Heute besteht die Hauptarbeit in der Wiederherstellung der marxistischen kommunistischen Theorie. Wir sind noch bei den Waffen der Kritik. Um dies zu tun setzt die Partei keinerlei neue Lehre in die Welt, sondern sie bestätigt die volle Gültigkeit der durch die Tatsachen gründlich bewiesenen grundlegenden Thesen des revolutionären Marxismus, die vom Opportunismus mehrfach getreten und verraten wurden, um Rückzug und Niederlage zu verdecken. Die Italienische Linke entlarvt und bekämpft heute die Stalinisten, so wie sie immer all die Revisionisten und Opportunisten bekämpft hat.
Die Partei gründet ihre Tätigkeit auf antirevisionistischen Positionen. Lenin hat seit seinem Erscheinen auf der politischen Bühne den Revisionismus Bernsteins bekämpft und die Linie der Grundsätze wieder instandgesetzt, indem er die Behauptungen des sozialpatriotischen und des sozialdemokratischen Revisionismus verriss.
Die Italienische Linke hat seit ihrem Entstehen die ersten taktischen Abweichungen in der 3. Internationale verurteilt als erste Anzeichen einer dritten Revision, die sich heute voll entfaltet hat und die Fehler der beiden ersten Revisionen miteinschliesst. Gerade weil das Proletariat die letzte ausgebeutete Klasse und von daher auch nicht Nachfolgerin einer andere Klassen ausbeutenden Klasse sein wird, ist die Lehre auf das Entstehen der Klasse gegründet und nichts kann dies verändern oder umformen. Die Entwicklung des Kapitalismus, von seiner Entstehung bis heute, hat die Theoreme des Marxismus, dargelegt in Texten, bestätigt und bewiesen und alle sogenannten »Neuerungen« oder »Schulen« der letzten dreissig Jahre beweisen lediglich, dass der Kapitalismus noch lebt und dass er vernichtet werden muss. Im Mittelpunkt der gegenwärtigen theoretischen Haltung der Bewegung steht daher folgendes: keine Revision der ursprünglichen Grundsätze der proletarischen Revolution.

6. Die Partei verrichtet heute eine Arbeit der wissenschaftlichen Verzeichnung der gesellschaftlichen Erscheinungen, mit dem Ziel, die grundlegenden Thesen des Marxismus zu beweisen. Sie analysiert, vergleicht und kommentiert die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Sie verwirft theoretische Ausarbeitungen, die darauf abzielen, neue Theorien zu begründen oder aufzuzeigen, dass die Theorie zur Erklärung der Erscheinungen nicht ausreicht. All diese Arbeit zur Zerstörung (Lenin: Was tun?) des Opportunismus und der Abweichlerei ist heute Ausgangspunkt der Parteiaktivität, die auch in diesem Punkt der revolutionären Tradition und Erfahrung während der Zeiten des Zurückweichens der Revolution und der Blüte der opportunistischen Theorien folgt, die in Marx, Engels, Lenin und der Italienischen Linken ihre heftigen und unnachgiebigen Gegner sahen.

7. Mit dieser richtigen revolutionären Einschätzung der heutigen Aufgaben, wenn auch klein an der Zahl und wenig verbunden mit der Masse des Proletariats, obgleich immer darauf bedacht, die theoretischen Aufgaben als Aufgaben ersten Ranges zu behandeln, weist die Partei es vollkommen zurück, als ein Haufen von Denkern oder einfacher Gelehrter betrachtet zu werden, der auf der Suche neuer Wahrheiten ist oder das gestern noch Wahre verwirft, weil er es für nicht ausreichend erachtet. Keine Bewegung kann in der Geschichte den Sieg davon tragen ohne theoretische Beständigkeit, die die Erfahrung der vergangenen Kämpfe ist. Daraus folgt, dass die Partei die persönliche Freiheit verbietet, neue Schemata und Erklärungen der gegenwärtigen Gesellschaft auszuarbeiten und auszutüfteln: sie verbietet die individuelle Freiheit der Analyse, der Kritik und der Voraussage, auch dem vorbereitetsten Intellektuellen unter den Mitgliedern, und sie verteidigt die Festigkeit einer Theorie, die kein Produkt blinden Glaubens ist, sondern der Gehalt der Wissenschaft der proletarischen Klasse, errichtet aus dem Stoff von Jahrhunderten und nicht aus Gedanken von Menschen, sondern aus der Kraft materieller Fakten, die sich im geschichtlichen Bewusstsein einer revolutionären Klasse widerspiegeln und die in deren Partei zusammengefasst sind. Die materiellen Tatsachen haben die Lehre des revolutionären Marxismus lediglich bestätigt.

8. Die Partei, trotz der beschränkten Anzahl ihrer Mitglieder, hervorgerufen durch die eindeutig konterrevolutionären Bedingungen, hört nicht damit auf, Anhänger zu gewinnen und ihre Grundsätze in allen schriftlichen und mündlichen Formen zu propagieren, auch wenn an ihren Versammlungen nur wenige teilnehmen und ihre Presse keine weite Verbreitung findet. Die Partei betrachtet die Presse in der heutigen Phase als vornehmliche Aktivität, da es sich um eines der wirksamsten Mittel handelt, das die gegenwärtige Situation zulässt, um den Massen die zu verfolgende politische Linie aufzuzeigen und um eine einheitliche und ausgedehntere Verbreitung der Grundsätze der revolutionären Bewegung zu bewerkstelligen.

9. Die Ereignisse, und nicht etwa der Willen oder die Entscheidung von Menschen, bestimmen so auch den Bereich des Eindringens in die grosse Masse und reduzieren dies auf einen kleinen Ausschnitt der umfassenden Tätigkeiten. Dennoch versäumt die Partei keine Gelegenheit, in jeden Riss und jeden Spalt einzudringen, da sie nur zu gut weiss, dass es keine Wiederaufnahme des Klassenkampfs gibt, wenn sich dieser Bereich nicht ungemein verstärkt und vorherrschend geworden ist.

10. Die Beschleunigung des Prozesses entspringt ausser aus den tiefen gesellschaftlichen Ursachen der historischen Krisen auch aus der Arbeit der Mitgliederwerbung und der Propaganda, mit den begrenzt zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Partei schliesst völlig aus, dass dieser Prozess sich beschleunigen lässt vermittels Kunstgriffen, Manövern oder Behelfsmitteln, die sich auf jene Gruppen, Kader und Hierarchien stützen, die sich die Bezeichnung proletarisch, kommunistisch oder sozialistisch ungerechtfertigt angeeignet haben. Diese Mittel, die gleich nach dem Verschwinden Lenins vom politischen Leben die Taktik der 3. Internationale formten, brachten kein anderes Ergebnis hervor als die Zersetzung der Komintern als Organisationstheorie und wirkende Kraft der Bewegung und liess stets einige Bruchstücke der Partei auf dem Weg der »taktischen Behelfsmittel« zurück. Diese Methoden werden von der trotzkistischen Bewegung wieder zum Leben erweckt und aufgewertet und fälschlicherweise für kommunistisch gehalten.
Für die Beschleunigung der Wiederaufnahme des Klassenkampfes gibt es keine fix und fertigen Rezepte. Um der Stimme der Klasse im Proletariat Gehör zu verschaffen, dafür gibt es keine Manöver und Behelfsmittel, deren Einsatz die Partei nicht so erscheinen lässt, wie sie wirklich ist, sondern sie hinsichtlich ihrer Funktion entstellt, zum Schaden und Verderben des tatsächlichen Neuanfangs der revolutionären Bewegung, die sich auf die wirkliche Reife der Umstände gründet und auf die der Situation entsprechende Anpassung der Partei, die dazu nur durch ihre politische und theoretische Unbeugsamkeit in der Lage ist.
Die Italienische Linke hat immer diese Behelfsmittelei zum Zweck des steten Überwasserbleibens bekämpft und sie als grundsätzliche Abweichung und als nicht am marxistischen Determinismus festhaltend verworfen.
In Übereinstimmung mit früheren Erfahrungen verzichtet die Partei daher darauf, Einladungen, offene Briefe und Agitationslosungen, zum Zweck der Bildung von gemischten Komitees, Fronten und Aktionseinheiten mit irgendeiner anderen politischen Organisation oder Bewegung, auszugeben oder anzunehmen.

11. Die Partei verschweigt nicht, dass sie sich in Zeiten der Wiederaufnahme des Klassenkampfs nur dann selbständigerweise verstärken kann, wenn Formen wirtschaftlich-gewerkschaftlicher Massenvereinigungen entstehen.
Auch wenn sie nie frei von Einflüssen der gegnerischen Klassen ist und als Vehikel ständiger und tiefgreifender Abweichungen und Entstellungen gedient hat, und obwohl sie kein besonderes revolutionäres Werkzeug ist, so ist die Gewerkschaft dennoch Gegenstand des Interesses der Partei, die nicht freiwillig davon ablässt, in den Gewerkschaften zu arbeiten und sich dabei klar von allen anderen politischen Gruppierungen unterscheidet. Die Partei weiss, dass sie heute Gewerkschaftsarbeit nur gelegentlich leisten kann, aber ab dem Moment, in dem sich die Zahl ihrer Mitglieder und Sympathisanten im konkreten Verhältnis zu den in einer bestimmten Gewerkschaftsstruktur Organisierten als nennenswert erweist und diese Organisation zu denen gehört, die nicht die letzten Möglichkeiten einer selbständigen Klassentätigkeit potentiell und aus der Satzung ausgeschlossen haben, durchdringt die Partei diese Organisation und versucht deren Leitung zu erobern.

12. Die Partei ist keine Fortführung der abstentionistischen Fraktion der Italienischen Sozialistischen Partei, auch wenn diese grossen Anteil an der Bewegung hatte, die zur Gründung der Kommunistischen Partei Italiens in Livorno 1921 führte. Die Opposition innerhalb der Kommunistischen Partei Italiens und der Kommunistischen Internationale beruhte nicht auf den Thesen des Abstentionismus [des Wahlboykotts], sondern auf anderen Grundsatzfragen. Mit der Entwicklung des kapitalistischen Staats, der offen die Form einer Diktatur annimmt, was der Marxismus von Anfang an blossstellte, verliert der Parlamentarismus allmählich an Bedeutung. Auch das augenscheinliche Überleben der parlamentarischen Wahlinstitutionen der traditionellen Bourgeoisie erschöpft sich immer mehr, verkommt zum Geschwätz und trägt in den Momenten gesellschaftlicher Krise die diktatorische Form des Staats zur Schau, der letzten Instanz des Kapitalismus gegen die sich die Gewalt des revolutionären Proletariats richten muss. Da diese Umstände und das gegenwärtige Kräfteverhältnis anhalten, hat die Partei kein Interesse an demokratischen Wahlen jeglicher Art und betätigt sich nicht auf diesem Gebiet.

13. Die revolutionäre Erfahrung zeigt, dass die revolutionären Generationen rasch aufeinanderfolgen und dass der Personenkult eine gefährliche Seite des Opportunismus darstellt. Angesichts der natürlichen und nur durch wenige Ausnahmen bestätigten Tatsache, dass die alten Führer aufgrund Zermürbung zum Feind und zu reformistischen Strömungen übergehen, schenkt die Partei den jungen Menschen höchste Aufmerksamkeit und unternimmt die grösste Anstrengung, sie für die politische Arbeit, ausserhalb von Karrieresucht und Personenkult, zu gewinnen und auszubilden.
Unter den gegenwärtigen geschichtlichen Umständen, mit ihrem hohen konterrevolutionären Potential, drängt sich die Heranbildung junger Führungskräfte auf, die die Kontinuität der Revolution gewährleisten. Das Hervorbringen einer neuen Generation von Revolutionären ist eine notwendige Bedingung für den Wiederbeginn der Bewegung der Klasse.

Deutsche Übersetzung: sinistra.net 1998, 1999, 2001, 2002

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