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KARL MARX: DAS KAPITAL - KURZFASSUNG VON OTTO RÜHLE
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Inhaltsverzeichnis

1. Die Ware

a) Gebrauchswert und Tauschwert
b) Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit
c) Die Wertform oder der Tauschwert
d) Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis

2. Der Austauschprozess

3. Das Geld oder die Warenzirkulation

a) Mass der Werte
b) Zirkulationsmittel
c) Geld

II. Die Verwandlung von Geld in Kapital
III. Die Produktion des absoluten Mehrwertes
IV. Die Produktion des relativen Mehrwertes
V. Die Produktion des absoluten und des relativen Mehrwertes
VI. Der Arbeitslohn
VII. Der Akkumulationsprozess des Kapitals

Fremdwörtererklärung und Anhang
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Der Produktionsprozess des Kapitals

I. Ware und Geld

1. Die Ware

a) Gebrauchswert und Tauschwert
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Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure Warensammlung«, deren Einheit die einzelne Ware darstellt. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.

Die Ware ist zunächst ein äusserer Gegenstand, ein Ding, das durch Seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache.

Jedes nützliche Ding wie Eisen, Papier usw., kann unter doppeltem Gesichtspunkt betrachtet werden, nach Qualität oder Quantität. Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken, ist geschichtliche Tat.

Die Nützlichkeit eines Dinges macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Die Ware selbst, wie Eisen, Weizen oder ein Diamant, stellt daher, soweit es sich um ein materielles Ding handelt, einen Gebrauchswert etwas Nützliches dar.

Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion: sie bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, Welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des Tauschwertes. Der Tauschwert zeigt sich zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art ausgetauscht Werden, ein Verhältnis, das mit Zeit und Ort wechselt.

Nehmen wir zwei Waren, z.B. Weizen und Eisen. Ihr Austauschverhältnis kann stets in einer Gleichung dargestellt Werden, worin ein bestimmtes Quantum Weizen irgendeinem Quantum Eisen gleichgesetzt wird. Was besagt diese Gleichung? Sie besagt, dass in zwei verschiedenen Dingen etwas Gemeinsames in der gleichen Menge existiert. Die beiden Dinge müssen also einem dritten gleich sein, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden Dinge muss daher, soweit es Tauschwert ist, auf dies dritte reduzierbar sein.

Dies gemeinsame »etwas« kann eine geometrische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Derartige Eigenschaften kommen für uns überhaupt nur in Betracht, sofern sie auf die Nützlichkeit der Waren einwirken, d.h. sie zu Gebrauchswert machen. Der Warentausch ist jedoch augenscheinlich ein Akt, der vom Gebrauchswert vollkommen absieht.

Sieht man nun vom Gebrauchswert der Waren ab, so bleibt ihnen nur noch eine gemeinsame Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch selbst das Arbeitsprodukt ist uns in der Hand verwandelt. Es ist nicht länger Tisch, Haus, Garn oder sonst ein nützliches Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit, der Maurerarbeit, der Spinnerarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit den nützlichen Eigenschaften der Produkte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden auch die konkreten Formen dieser Arbeiten. Nun bleibt nur das übrig, was allen gemeinsam ist; sie sind alle auf die gleiche Art Arbeit reduziert, d.h. abstrakt menschliche Arbeit.

Es ist nichts von den Arbeitsprodukten übriggeblieben als eine unkörperliche Wirklichkeit, eine blosse Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Betrachtet man sie als Kristalle dieser gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz, dann sind sie - Werte.

Ein Gebrauchswert oder ein nützlicher Gegenstand hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist.

Wie nun die Grösse seines Wertes messen? Ganz einfach durch die Quantität der in ihm enthaltenen »wertbildenden Substanz«, der Arbeit.

Die Arbeitsquantität selbst wird an ihrer Zeitdauer gemessen, und die Arbeitszeit wieder findet ihren Massstab in Tagen und Stunden.

Die gesamte Arbeitskraft der. Gesellschaft, enthalten in der Gesamtheit der Werte aller Waren, die von der Gesellschaft produziert wurde, gilt hier als eine unterschiedslose Masse menschlicher Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnittsarbeitskraft besitzt und als solche wirkt, d.h. soweit sie zur Produktion einer Ware durchschnittlich nicht mehr Zeit benötigt als gesellschaftlich notwendig ist. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist die Arbeitszeit, die erforderlich ist, um irgendeinen Gebrauchswert unter normalen Produktionsbedingungen und einem der Zeit entsprechenden Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität herzustellen. Die Einführung des Dampfwebstuhles in England reduzierte z.B. die Arbeitszeit, die zum Verweben einer bestimmten Quantität Garn zu Tuch benötigt wurde, um die Hälfte. Der Handweber benötigte hierzu in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner Arbeitsstunde stellte nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Wertes. Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die seine Wertgrösse bestimmt. Die einzelne Ware wird hier als Durchschnittsexemplar ihrer Art betrachtet..

Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder anderen Ware wie die zur Produktion der einen Ware notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der anderen notwendige Arbeitszeit. Allgemein gesprochen: Je grösser die Produktivität der Arbeit ist, um so kleiner ist die zur Herstellung eines Artikels erforderliche Arbeitszeit, um so kleiner ist die in ihm kristallisierte Arbeitsmenge und um so kleiner ist sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivität der Arbeit, um so grösser ist die für die Herstellung eines Artikels erforderliche Arbeitszeit und um so grösser ist sein Wert. Der Wert einer Ware wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivität der in ihr enthaltenen Arbeit.

Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Dies ist der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit hervorgerufen wurde, z.B. Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen usw. Ein Ding kann nützlich und das Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne jedoch Ware zu sein. Wer durch das Produkt seiner Arbeit seine Bedürfnisse direkt befriedigt, schafft zwar Gebrauchswerte aber keine Waren. Um Ware zu produzieren, muss er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, d.h. gesellschaftlichen Gebrauchswert. Endlich kann kein Ding Wert haben, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Wenn das Ding nutzlos ist, ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos; die Arbeit zählt dann nicht als Arbeit und bringt daher auch keinen Wert hervor.

b) Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit
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Nehmen wir zwei Waren, etwa einen Rock und 10 Ellen Leinwand. Der erstere soll den zweifachen Wert der 10 Ellen Leinwand haben; wenn also 10 Ellen Leinwand = W sind, dann ist der Rock = 2 W.

Der Rock ist ein Gebrauchswert der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer besonderen Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produktes oder darin darstellt, dass ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir »nützliche Arbeit«. In diesem Zusammenhang ziehen wir nur ihren Nutzeffekt in Betracht.

Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedene Gebrauchswerte sind, so sind die sie produzierenden zwei Arten von Arbeit verschieden, nämlich Schneiderei und Weberei. Der Gesamtheit der verschiedenen Gebrauchswerte entspricht eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger Arten von Arbeit, eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Diese Teilung der Arbeit ist eine notwendige Bedingung der Warenproduktion, aber umgekehrt folgt nicht daraus, dass die Warenproduktion eine notwendige Bedingung der Arbeitsteilung ist.

In einer Gesellschaft, deren Produkte im allgemeinen die Form von Waren annehmen, d.h. in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Formen der Arbeit, die unabhängig voneinander von den einzelnen Produzenten auf eigene Rechnung durchgeführt werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit...

Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., d.h. die Warenkörper, sind Verbindungen von zwei Elementen - Naturstoff und Arbeit. Der Mensch kann nur wie die Natur selbst verfahren, er kann nur die Form des Stoffes ändern. In dieser Arbeit der Umformung wird er beständig durch natürliche Kräfte unterstützt. Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte. Die Arbeit ist sein Vater und die Erde seine Mutter.

Gehen wir nun von der Ware als Gebrauchsgegenstand zum Warenwert über. Nach unserer Unterstellung hat der Rock den zweifachen Wert der Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessiert. Wir erinnern jedoch daran, dass, wenn der Wert eines Rockes doppelt so gross ist wie der Wert von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand denselben Wert haben müssen wie ein Rock. Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke von gleicher Arbeit. Aber Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedene Arten von Arbeit. Beide sind jedoch produktive Verausgabung menschlicher Hirne, Nerven und Muskel und in diesem Sinne menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedene Formen menschlicher Arbeitskraft zu verausgaben. Aber der Wert einer Arbeit stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt.

Die einfache Durchschnittsarbeit wechselt zwar in den verschiedenen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, aber in einer besonderen Gesellschaft ist sie gegeben. Gelernte Arbeit rechnet nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so dass eine kleinere Quantität gelernter Arbeit gleich einer grösseren Quantität einfacher Arbeit angesehen wird.

So wie wir also beim Betrachten von Rock und Leinwand als Wert von ihren verschiedenen Gebrauchswerten abstrahieren, so verhält es sich mit der Arbeit, die durch diese Werte dargestellt wird: Wir lassen den Unterschied ihrer nützlichen Formen, nämlich Schneiderei und Weberei, unbeachtet. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, während die Werte Rock und Leinwand dagegen blosse gleichartige Gallerten von Arbeit sind, so gilt die in diesen Werten enthaltene Arbeit nicht infolge ihrer produktiven Beziehung zu Tuch und Garn, sondern lediglich als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft.

Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte überhaupt, sondern Werte von bestimmter Grösse. Nach unserer Unterstellung ist der Rock doppelt soviel wert wie 10 Ellen Leinwand. Woher kommt nun dieser Unterschied ihrer Werte? Daher, dass die Leinwand nur halb soviel Arbeit enthält wie der Rock, so dass zur Produktion des Rockes die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden musste, als zur Produktion der Leinwand.

Eine grössere Quantität Gebrauchswert bedeutet eine Vergrösserung materiellen Reichtums. Mit zwei Röcken können zwei Menschen gekleidet werden, mit einem Rock nur einer. Dennoch kann einer steigenden Menge materiellen Reichtums ein gleichzeitiges Fallen seiner Wertgrösse entsprechen.

Diese entgegengesetzte Bewegung entspringt dem zweifachen Charakter der Arbeit. Einerseits ist alle Arbeit Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinne, und in dieser Eigenschaft abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Andererseits ist alle Arbeit Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.

Waren kommen in der Form von Gebrauchswerten oder Gütern zur Welt. Dies ist ihre einfache, hausbackene körperliche Form. Sie sind jedoch nur Waren, weil sie etwas Doppeltes darstellen, nämlich einen Gebrauchsgegenstand und gleichzeitig einen Wertträger. Sie erscheinen daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern sie Doppelform besitzen, nämlich eine natürliche Form und eine Wertform.

Wenn wir sagen, dass die Waren, als Werte gesehen, - lediglich Gallerten menschlicher Arbeit sind, reduzieren wir sie durch unsere Analyse zu der Abstraktion Wert; aber wir schreiben diesem Wert keine Form ausser seiner körperlichen Form zu.. Anders ist es bei dem Wertverhältnis einer Ware zu einer anderen. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre Beziehung zu der anderen Ware.

Das einfachste Wertverhältnis ist offenbar das einer Ware zu irgendeiner anderen Ware. Das Wertverhältnis zweier Waren gibt uns daher den einfachsten Wertausdruck für eine einzelne Ware.

c) Die Wertform oder der Tauschwert
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20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder: 20 Ellen Leinwand sind 1 Rock wert. Das ganze Geheimnis der Wertform steckt in dieser elementaren Form. Ihre Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit.

Hier spielen offenbar zwei verschiedenartige Waren (in unserem Beispiel Leinwand und Rock) zwei verschiedene Rollen. Die Leinwand drückt ihren Wert aus in dem Rock; der Rock dient zum Material dieses Wertausdruckes. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der Leinwand ist als relativer Wert dargestellt oder er erscheint in relativer Form. Der Rock funktioniert als Äquivalent oder erscheint in Äquivalentform.

Die relative Wertform und die Äquivalentform sind zueinander gehörige, sich wechselseitig bedingende und untrennbare Elemente des Wertausdruckes, aber zugleich einander ausschliessende, entgegengesetzte Extreme, d.h. Pole desselben Wertausdruckes. Sie verteilen sich auf die verschiedenen Waren, die durch diesen Wertausdruck zueinander in Beziehung gebracht werden.

Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in der entgegengesetzten Äquivalentform hängt ausschliesslich von ihrer jeweiligen Stellung im Wertausdruck ab, d.h. davon, ob sie die Ware ist, worin Wert ausgedrückt wird.

Wenn der Rock die Stellung des Äquivalentes in der Wertgleichung einnimmt, ist er qualitativ gleich der Leinwand, ein Ding von derselben Art, weil er ein Wert ist. In dieser Stellung ist er ein Ding, in dem wir nichts als Wert sehen oder dessen handgreifliche Körperform Wert darstellt. In der Produktion des Rockes muss jedoch, in der Form der Schneiderei, menschliche Arbeitskraft verausgabt worden sein. Es ist daher menschliche Arbeitskraft in ihm aufgehäuft. Nach dieser Seite hin ist der Rock »Träger von Wert«, obgleich diese seine Eigenschaft selbst durch seine grösste Fadenscheinigkeit nicht durchblickt. Als Äquivalent der Leinwand in der Wertgleichung existiert der Rock nur nach dieser Seite hin und zählt daher als verkörperter Wert, als Körper, der Wert darstellt. Im Wertverhältnis in welchem der Rock das Äquivalent der Leinwand bildet, gilt der Rock als Wertform. Der Wert der Ware Lein- wand wird daher ausgedrückt in der körperlichen Form der Ware Rock, der Wert einer Ware im Gebrauchswert der anderen.

Alles, was uns die Analyse des Warenwertes vorher sagte, sagt die Leinwand selbst, sobald sie in Verbindung mit einer anderen Ware, dem Rock, tritt. Nur verrät sie ihre Gedanken in der ihr allein geläufigen Sprache, der Warensprache. Um zu sagen, dass ihr eigener Wert durch Arbeit in der abstrakten Eigenschaft menschlicher Arbeit gebildet wird, sagt sie, dass der Rock, soweit er genau soviel Wert ist wie die Leinwand, also Wert ist, aus der gleichen Arbeit besteht wie die Leinwand. Um zu sagen, dass ihr erhabenes Dasein als Wert von ihrem steifleinenen Körper verschieden ist, sagt sie, dass der Wert aussieht wie ein Rock und daher, soweit die Leinwand Wert ist, sie und der Rock einander gleichen wie ein Ei dem andern.

Die Gleichung: »20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder 20 Ellen Leinwand sind einen Rock wert«, setzt voraus, dass in beiden die gleiche Wertsubstanz (geronnene Arbeit) enthalten ist, dass die beiden Waren die gleiche Menge Arbeit oder die gleiche Arbeitszeit gekostet haben. Die zur Produktion von 20 Ellen Leinwand oder 1 Rock notwendige Arbeitszeit wechselt aber mit jeder Änderung der Produktivität der Weberei oder Schneiderei. Der Einfluss einer derartigen Änderung auf den relativen Wertausdruck soll nun untersucht werden.

I. Der Wert der Leinwand ändert sich, während der Wert des Rockes konstant bleibt.
II. Der Wert der Leinwand bleibt konstant, während der Wert des Rockes sich ändert.
III. Die zur Produktion von Leinwand und Rock notwendigen Arbeitszeitmengen ändern sich gleichzeitig in der gleichen Richtung und in der gleichen Proportion.
IV. Die zur Produktion von Leinwand und Rock notwendige Arbeitszeit und daher ihre entsprechenden Werte, ändern sich gleichzeitig in der gleichen Richtung, aber in ungleicher Proportion oder in entgegengesetzter Richtung oder in irgendeiner anderen Weise.

Der relative Wert einer Ware kann sich ändern, obgleich ihr Wert konstant bleibt. Ihr relativer Wert kann konstant bleiben, obgleich ihr Wert sich ändert, und endlich brauchen sich gleichzeitige Änderungen in der Wertgrösse und im relativen Ausdruck dieser Grösse keineswegs zu decken.

Wenn wir sagen, dass eine Ware als Äquivalent dient, bringen wir damit die Tatsache zum Ausdruck, dass sie gegen andere Waren direkt austauschbar ist.

Die erste Eigentümlichkeit, die bei der Betrachtung der Äquivalentform auffällt, ist folgende: Der Gebrauchswert wird zur Erscheinungsform seines Gegenteiles, des Wertes. Die körperliche Form der Ware wird zur Wertform. Die zweite Eigentümlichkeit der Äquivalentform besteht darin, dass konkrete Arbeit zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakt menschliche Arbeit, wird.

Der in jeder Ware bestehende innere Gegensatz von Gebrauchswert und Wert wird dargestellt durch das Verhältnis zweier Waren. zueinander. In diesem Verhältnis wird die Ware, deren Wert ausgedrückt werden soll, unmittelbar nur als Gebrauchswert, die andere Ware dagegen, in der der Wert ausgedrückt werden soll, als blosser Tauschwert gilt. Die einfache Wertform einer Ware ist also die einfache Erscheinungsform des in der Ware enthaltenen Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert.

Indessen geht die einfache Wertform leicht in eine vollständigere Form über. Je nachdem sie zu der einen oder anderen Ware in ein Wertverhältnis gesetzt wird, erhalten wir für ein und dieselbe Ware verschiedene einfache Wertausdrücke. Die Anzahl derartiger möglicher Wertausdrücke wird nur beschränkt durch die Anzahl der von ihr verschiedenen Warenarten. Der vereinzelte Wertausdruck einer Ware kann daher in eine beliebig verlängerbare Reihe verschiedener einfacher Wertausdrücke verwandelt werden.

Die Leinwand steht nun durch ihre Wertform in gesellschaftlichem Verhältnis nicht mehr nur zu einer einzelnen anderen Warenart, sondern zur Warenwelt. Als Ware ist sie Bürger dieser Welt. Zugleich liegt in der endlosen Reihe der Wertgleichungen enthalten, dass es für den Warenwert gleichgültig ist, in welcher besonderen Form von Gebrauchswert er erscheint.

In der ersten Form: »20 Ellen Leinwand = 1 Rock«, kann es zufällig Tatsache sein, dass diese zwei Waren in einem bestimmten Mengenverhältnis austauschbar sind. in der zweiten Form: »20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder 10 Pfund Tee oder 2 Unzen Gold« usw. liegt ein vielfarbiges Mosaik von ungleichartigen und unabhängigen Wertausdrücken vor. Wenn schliesslich, wie es der Fall sein muss, der relative Wert jeder Ware in dieser erweiterten Form ausgedrückt wird, erhalten wir für jede Ware eine relative Wertform, die in jedem Fall verschieden ist und aus einer unendlichen Reihe von Wertausdrücken besteht.

Der Mangel der erweiterten relativen Wertform spiegelt sich in der entsprechenden Äquivalentform wider. Das zufällige Verhältnis zweier individueller Warenbesitzer fällt fort. Es wird offenbar, dass nicht der Austausch die Wertgrösse der Ware bestimmt, sondern umgekehrt die Wertgrösse ihre Austauschverhältnisse kontrolliert.

Wenn jemand seine Leinwand gegen viele andere Waren austauscht und so ihren Wert in einer Reihe von anderen Waren ausdrückt, dann müssen notwendigerweise die anderen Warenbesitzer ihre Waren gegen Leinwand austauschen. Wir erhalten eine allgemeine Wertform:

1 Rock

= 20 Ellen Leinwand

= 10 Pfund Tee

= 40 Pfund Kaffee

= 1 Quarter Weizen

= 2 Unzen Gold

= 1/2 Tonne Eisen

= x Ware A

= usw.

1. stellen nun alle Waren ihren Wert dar in einer einfachen Form, weil in einer einzigen Ware,
2. einheitlich, weil in ein und derselben Ware.

Der Wert jeder Ware ist jetzt dadurch, dass er der Leinwand gleichgesetzt wird, nicht von ihrem eigenen Gebrauchswert unterschieden, sondern von allem Gebrauchswert, und gerade dadurch als das ausgedrückt, was allen Waren gemeinsam ist. Erst durch diese Form werden die Waren wirklich als Werte zueinander in Beziehung gesetzt und erscheinen als Tauschwerte.

Die allgemeine Wertform, die die Arbeitsprodukte als blosse Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit darstellt, zeigt gerade durch ihre Struktur, dass sie der. gesellschaftliche Ausdruck der Warenwelt ist. Infolgedessen offenbart diese Form, dass innerhalb der Warenwelt der allgemeine menschliche Charakter der Arbeit ihren spezifisch gesellschaftlichen Charakter bildet.

Dem Entwicklungsgrad der relativen Wertform entspricht der Entwicklungsgrad der Äquivalentform. Wir müssen jedoch beachten, dass die Entwicklung der Äquivalentform nur der Ausdruck und das Resultat der Entwicklung der relativen Wertform ist. Die ursprüngliche relative Wertform einer Ware verwandelt eine. andere Ware in ein vereinzeltes Äquivalent.

Die erweiterte Form des relativen Wertes, welches der Wertausdruck einer Ware in allen anderen Waren ist, gibt diesen anderen Waren den Charakter verschiedenartiger besonderer Äquivalente. Schliesslich erhält eine besondere Warenart den Charakter eines allgemeinen Äquivalentes, weil alle anderen Waren sie zu dem Material machen, in dem sie ihren Wert einheitlich ausdrücken.

Eine einzelne Ware, Leinwand, scheint daher den Charakter unmittelbarer Austauschbarkeit mit allen anderen Waren erhalten zu haben, weil und sofern dieser Charakter jeder anderen Ware abgesprochen wird. Umgekehrt ist die Ware, die als allgemeines Äquivalent figuriert, von der relativen Wertform der Warenwelt ausgeschlossen.

Die besondere Ware, mit deren körperlicher Form die Äquivalentform gesellschaftlich identisch wird, wird zur Geldware oder dient als Geld. Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion und daher ihr gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt die Rolle des allgemeinen Äquivalentes zu spielen. Diesen bevorzugten Platz hat eine besondere Ware erobert: das Gold. Wir erhalten die Geldform:

20 Ellen Leinwand

= 2 Unzen Gold

1 Rock

= 2 Unzen Gold

10 Pfund Tee

= 2 Unzen Gold

40 Pfund Kaffee

= 2 Unzen Gold

1 Quarter Weizen

= 2 Unzen Gold

1/2 Tonne Eisen

= 2 Unzen Gold

x Ware A

= 2 Unzen Gold

Das Gold ist nun allen anderen Waren gegenüber nur deshalb Geld, weil es ihnen bereits früher als einfache Ware gegenüberstand. Gleich allen anderen Waren diente es auch als Äquivalent, sei es als einfaches Äquivalent in vereinzelten Austauschakten, sei es als besonderes Äquivalent neben anderen. Nach und nach begann es engeren oder weiteren Kreisen als allgemeines Äquivalent zu dienen. Sobald es das Monopol dieser Stelle im Wertausdruck der Warenwelt erobert hat, wird es Geldware, und erst von diesem Augenblick an wird die allgemeine Wertform in die Geldform verwandelt.

d) Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis
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Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding zu sein. Ihre Analyse ergibt, dass sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeiten und theologischer Mucken. Soweit sie Gebrauchswert ist, ist nichts Mysteriöses an ihr. Es ist ganz klar, dass der Mensch durch seine Tätigkeit die Formen der von der Natur gegebenen Stoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes wird z.B. verändert, wenn man einen Tisch daraus herstellt. Trotzdem bleibt der Tisch jenes gewöhnliche, alltägliche Ding Holz. Sobald er aber als Ware auftritt, verwandelt er sich in etwas Übersinnliches. Er steht nicht nur mit seinen Füssen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen anderen Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus. freien Stücken zu tanzen begänne.

Der mystische Charakter der Waren entspringt nicht ihrem Gebrauchswert. Ebensowenig entspringt er der Natur der wertbestimmenden Faktoren. Woher kommt nun der rätselhafte Charakter des Arbeitsproduktes, sobald es Warenform annimmt? Offenbar aus dieser Form selbst.

Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, dass in ihr den Menschen der gesellschaftliche Charakter ihrer eigenen Arbeit als dinglicher Charakter der Arbeitsprodukte selbst erscheint, als eine Natureigenschaft derselben. Das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zu der Gesamtarbeit erscheint ihnen als ein Verhältnis von Gegenständen.

Es handelt sich aber nicht um ein physisches Verhältnis zwischen Dingen. Die Warenform und das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, hat mit der physischen Natur der Produkte und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt.

Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier erscheinen die Produkte des menschlichen Kopfes als mit eigenem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anhaftet, sobald sie als Waren produziert werden und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist.

Dieser Fetischismus der Waren entspringt dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, die Waren produziert. Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte unabhängig voneinander betriebener Arbeiten privater Individuen oder Gruppen sind. Der Komplex dieser Privatarbeiten bildet die gesellschaftliche Gesamtarbeit. Da die Produzenten erst durch den Austausch ihrer Produkte in gesellschaftlichen Kontakt miteinander kommen, zeigt sich der spezifisch gesellschaftliche Charakter der Arbeit jedes einzelnen Produzenten erst innerhalb des Tauschaktes. Mit anderen Worten, die Arbeit des einzelnen kommt als Teil der gesellschaftlichen Arbeit erst durch die Beziehung zur Geltung, die der Tauschakt direkt zwischen den Produkten und indirekt zwischen den Produzenten begründet. Den letzteren erscheinen daher die Beziehungen ihrer Privatarbeiten nicht als direkte gesellschaftliche Beziehungen der Personen in ihren Arbeiten. selbst, sondern als sachliche Beziehungen zwischen Personen und gesellschaftliche Beziehungen zwischen Sachen.

Erst innerhalb ihres Austausches erhalten die Arbeitsprodukte eine von ihren verschiedenen Existenzformen als Gebrauchsgegenstände getrennte gesellschaftlich gleiche Stellung als Werte. Von diesem Augenblick an erhält die Arbeit des einzelnen Produzenten einen doppelten gesellschaftlichen Charakter. Einerseits muss sie als bestimmte nützliche Arbeit ein bestimmtes gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen und sich so als Teil der Gesamtarbeit innerhalb der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit bewähren. Andererseits kann die Arbeit die mannigfachen Bedürfnisse des einzelnen Produzenten selbst nur befriedigen, sofern die gegenseitige Austauschbarkeit jeder nützlichen Privatarbeit eine bestehende gesellschaftliche Tatsache ist und daher die nützliche Privatarbeit derjenigen aller anderen gleichkommt.

Das Gehirn des Einzelnen spiegelt diesen doppelten gesellschaftlichen Charakter seiner Privatarbeit wider in den Formen, die im täglichen Verkehr, im Produktenaustausch erscheinen - den gesellschaftlich nützlichen Charakter seiner Privatarbeit, also in der Form, dass das Arbeitsprodukt nützlich sein muss, und zwar für andere - den gesellschaftlichen Charakter der Gleichheit der verschiedenartigen Arbeiten in der Form des gemeinsamen Wertcharakters dieser materiell verschiedenen Dinge, der Arbeitsprodukte.

Wenn die Menschen also Arbeitsprodukte als Werte zueinander in Beziehung bringen, geschieht dies nicht, weil sie in diesen Sachen materielle Hüllen gleichartiger menschlicher Arbeit sehen. Umgekehrt: Wenn sie im Austausch verschiedene Produkte als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiedenen in ihnen enthaltenen Arbeiten als menschliche Arbeit gleich. Die Menschen wissen das nicht, aber sie tun es. Dem Wert steht es nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist. Der Wert verwandelt vielmehr jedes Produkt in eine gesellschaftliche Hieroglyphe. Später versuchen die Menschen diese Hieroglyphe zu entziffern, hinter das Geheimnis des eigenen gesellschaftlichen Produktes zu kommen; denn einen Gebrauchsgegenstand in Wert zu verwandeln, ist ebenso ihr gesellschaftliches Produkt wie die Sprache. Die neuere wissenschaftliche Entdeckung, dass die Arbeitsprodukte, soweit sie Werte sind, lediglich sachliche Ausdrücke der in ihrer Produktion verausgabten menschlichen Arbeit sind, bezeichnet in der Tat eine Epoche in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, aber sie verscheucht keineswegs den Nebel, durch den der gesellschaftliche Charakter der Arbeit als gegenständlicher Charakter der Produkte selbst erscheint.

Wenn ich sage, Rock oder Stiefel beziehen sich auf Leinwand, weil sie die Verkörperung abstrakt. menschlicher Arbeit ist, so springt die Absurdität dieser Feststellung ins Auge. Aber wenn die Produzenten von Röcken und Stiefeln diese Waren mit Leinwand oder, was nichts an der Sache ändert, mit Gold oder Silber als allgemeines Äquivalent vergleichen, drücken sie die Beziehung zwischen ihrer Privatarbeit und der gesellschaftlichen Gesamtarbeit in der gleichen absurden Form aus. Derartige Formen bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie. Es sind gesellschaftliche Gedankenformen, die Bedingungen und Beziehungen einer bestimmten historischen Produktionsweise, nämlich die Warenproduktion ausdrücken. Aller Mystizismus der Warenwelt aller Zauber und Spuk, der die Arbeitsprodukte solange sie Warenform annehmen, umgibt, verschwindet daher, sobald wir zu anderen Produktionsformen gelangen.

Könnten die Waren sprechen, würden sie sagen: Unser Gebrauchswert mag den Menschen interessieren. Er ist kein Teil von uns als Gegenstand. Was jedoch zu uns als Gegenstand gehört, ist unser Wert. Unser Verkehr als Waren beweist das. Wir verkehren nur als Tauschwerte untereinander. Es ist ein sonderbarer Umstand, dass der Gebrauchswert der Dinge untereinander ohne Austausch vermittels einer direkten Beziehung zwischen Ding und Mensch sich verwirklicht, während ihr Wert nur durch den Tausch, d.h. vermittels eines gesellschaftlichen Prozesses, verwirklicht wird.

2. Der Austauschprozess
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Die Waren können nicht selbst zu Markt gehen und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehen, den Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher widerstandslos gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig sind, kann er Gewalt anwenden, mit anderen Worten, er kann sie in Besitz nehmen. Um nun diese Dinge als Waren miteinander in Beziehung zu bringen, müssen die Warenhüter selbst als Personen, deren Willen in jenen Dingen wohnt, miteinander in Beziehung treten, so dass sich keiner die Ware des anderen aneignet, bzw. sich von seiner eigenen trennt, es sei denn vermittels eines beiden gemeinsamen Willensaktes. Sie müssen sich also gegenseitig als Privateigentümer anerkennen.

Dieses Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist - ob dieser Vertrag nun Teil eines gesetzlich entwickelten Systems ist oder nicht -, stellt ein Willensverhältnis dar, worin sich lediglich das wirkliche ökonomische Verhältnis widerspiegelt. Dieses ökonomische Verhältnis bestimmt den Inhalt jedes derartigen Rechtsverhältnisses. Die Personen existieren hier nur füreinander als Repräsentanten von Waren und daher als Warenbesitzer. Die Charaktere, die auf der ökonomischen Bühne erscheinen, sind nichts als die Personifikationen der ökonomischen Beziehungen; die zwischen ihnen. bestehen.

Für den Eigentümer hat die Ware keinen unmittelbaren Gebrauchswert, sonst würde er sie nicht auf den Markt bringen. Sie hat Gebrauchswert für andere. Für ihn selbst hat sie nur den Gebrauchswert, Träger von Tauschwert und infolgedessen Tauschmittel zu sein. Darum will er sie veräussern für Waren, deren Gebrauchswert ihm von Nutzen ist. Alle Waren sind für ihre Besitzer Nichtgebrauchswerte und für ihre Nichtbesitzer Gebrauchswerte. Infolgedessen müssen sie allseitig die Hände wechseln. Aber dieser Händewechsel bildet ihren Austausch und dieser bringt sie als Werte zueinander in Beziehung und realisiert sie als Werte. Die Waren müssen sich daher als Werte realisieren, bevor sie sich als Gebrauchswerte realisieren können. Andererseits müssen sie zeigen, dass sie Gebrauchswerte sind, bevor sie sich als Werte realisieren können. Denn die für sie verausgabte Arbeit zählt nur, soweit sie in einer für andere nützlichen Form verausgabt ist. Ob sie anderen nützlich und ihr Produkt daher fähig ist, die Bedürfnisse anderer zu befriedigen, kann nur durch den Austauschakt bewiesen werden. Jeder Wareneigentümer will seine Ware nur veräussern für andere Waren, deren Gebrauchswert seine Bedürfnisse befriedigt. In diesem Sinne betrachtet, ist der Austausch für ihn nur ein privater Prozess. Andererseits will er den Wert seiner Ware realisieren, und sie in irgendeine Ware gleichen Wertes verwandeln. Von diesem Standpunkt aus ist der Tausch für ihn allgemein gesellschaftlicher Prozess. Aber ein und derselbe Prozess kann nicht für alle Wareneigentümer gleichzeitig nur privat und nur allgemein gesellschaftlich sein.

Der Warenaustausch begann zuerst an den Grenzen der Gemeinwesen, an den Punkten ihres Kontaktes mit anderen ähnlichen Gemeinwesen oder Gliedern der letzteren. Sobald jedoch Produkte einmal in den äusseren Beziehungen eines Gemeinwesens zu Waren werden, werden sie dies rückschlagend auch im inneren Verkehr. Ihr Austauschverhältnis ist zunächst ganz zufällig. Indes setzt sich das Bedürfnis für fremde Gebrauchsgegenstände allmählich fest. Die beständige Wiederholung macht ihn zu einem normalen gesellschaftlichen Prozess. Im Laufe der Zelt muss daher wenigstens ein Teil der Arbeitsprodukte mit Absicht zwecks Austausch produziert werden. Von diesem Augenblick an befestigt sich die Scheidung zwischen der Nützlichkeit eines Gegenstandes für den unmittelbaren Bedarf und seiner Nützlichkeit für den Austausch. Sein Gebrauchswert scheidet sich von seinem Tauschwert. Andererseits wird das quantitative Verhältnis, in dem die Dinge austauschbar sind, von ihrer Produktion selbst abhängig. Die Gewohnheit fixiert sie als bestimmte Wertgrössen.

Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Ware für ihren Eigentümer unmittelbar Tauschmittel, und für alle anderen ein Äquivalent, jedoch nur soweit sie Gebrauchswert für diese anderen besitzt. In diesem Stadium erhalten also die Tauschartikel noch keine von ihrem eignen Gebrauchswert unabhängige Wertform. Die Notwendigkeit einer Wertform wächst mit der wachsenden Anzahl und Mannigfaltigkeit der ausgetauschten Waren. Das Problem ergibt sich gleichzeitig mit den Mitteln seiner Lösung. Ein besonderer Artikel erhält, indem er Äquivalent für verschiedene andere Waren wird, unmittelbar, wenn auch in engen Grenzen, allgemeine gesellschaftliche Äquivalentform. Diese Form entsteht und vergeht mit den augenblicklichen gesellschaftlichen Prozessen, die sie ins Leben riefen. Abwechselnd und flüchtig, kommt sie dieser oder jener Ware zu. An welcher besonderen Warenart sie kleben bleibt, ist zunächst zufällig. Der Einfluss von zwei Umständen ist jedoch entscheidend. Die Geldform heftet sich. entweder an den wichtigsten Tauschartikel aus der Fremde oder an den Gebrauchsgegenstand, der, wie z.B. Vieh, das Hauptelement des einheimischen veräusserlichen Reichtums bildet. Der Mensch hat oft den Menschen in Gestalt des Sklaven zum ursprünglichen Geldmaterial gemacht, aber niemals den Grund und Boden. Eine derartige Idee konnte nur in einer bereits ausgebildeten bürgerlichen Gesellschaft entstehen.

Geld ist ein Kristall, das von der Notwendigkeit im Tauschprozess gebildet wurde, wobei verschiedene Arbeitsprodukte praktisch einander gleichgesetzt und so durch die Praxis in Waren verwandelt wurden. Im gleichen Verhältnis, wie die Umwandlung der Produkte der Arbeit in Waren vor sich geht, verwandelt sich eine besondere Ware in Geld.

Adäquate Erscheinungsform von Wert oder Verkörperung abstrakter und daher gleicher menschlicher Arbeit kann nur ein Material sein, dessen sämtliche Exemplare dieselbe gleichförmige Qualität besitzen. Andererseits, da der Unterschied der Wertgrössen rein quantitativ ist, muss die Geldware rein quantitativer Unterschiede fähig, also nach Willkür teilbar und wieder zusammensetzbar sein. Gold und Silber besitzen diese Eigenschaften von Natur aus.

Die Geldform ist nur der einer Ware anhaftende Reflex der Wertbeziehungen aller übrigen Waren. Dass Geld eine Ware ist, ist also eine Entdeckung nur für den, der von seiner entwickelten Form ausgeht, um sie hinterher zu analysieren. Der Austauschprozess gibt der in Geld verwandelten Ware nicht ihren Wert, sondern ihre besondere Wertform. Die Verwechslung dieser beiden verschiedenen Bestimmungen haben dazu verleitet, den Wert von Gold und Silber für imaginär zu halten. Weil Geld in bestimmten Funktionen durch blosse Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann, kam der andere Irrtum auf, dass es ein blosses Zeichen sei.

Wie jede andere Ware kann das Geld seine eigene Wertgrösse nur relativ in anderen Waren ausdrücken. Dieser Wert wird bestimmt durch die zu seiner Produktion erforderliche Arbeitszeit und ausgedrückt in der Quantität jeder anderen Ware, die genau soviel Arbeitszeit kostet. Wenn es als Geld in die Zirkulation eintritt, ist sein Wert bereits gegeben.

Gold scheint also nicht erst Geld zu werden, weil alle anderen Waren ihren Wert in ihm ausdrücken, sondern alle Waren scheinen umgekehrt ihren Wert in Gold auszudrücken, weil es Geld ist. Die vermittelnde Bewegung verschwindet in dem eigenen Resultat und lässt keine Spur zurück. Ohne ihr Zutun finden die Waren ihren eigenen Wert bereits fertig vor als einen neben ihnen existierenden Warenkörper. Diese Dinge, Gold und Silber, sind, wie sie aus dem Inneren der Erde kommen, hinfort die Verkörperung aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des Geldes. Das Rätsel des Geldfetischs ist daher nur das sichtbar gewordene, augenblendende Rätsel des Warenfetischs.

3. Das Geld oder die Warenzirkulation

a) Mass der Werte
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Die erste Funktion des Geldes besteht darin, der Warenwelt das Material ihres Wertausdruckes zu liefern oder die Warenwerte als gleichnamige qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare Grössen darzustellen. So dient es als allgemeines Mass der Werte. Und nur durch diese Funktion wird Gold, die spezifische Äquivalentware, zu Geld.

Die Waren werden nicht durch das Geld kommensurabel. Im Gegenteil: weil alle Waren als Werte vergegenständlichte menschliche Arbeit und daher kommensurabel sind, können ihre Werte in derselben spezifischen Ware gemessen, und diese wieder in ihr gemeinschaftliches Wertmass, d.h. Geld, umgewandelt werden. Geld als Wertmass ist die notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmasses der Waren, der Arbeitszeit.

Der Wertausdruck einer Ware in Gold ist ihre Geldform oder ihr Preis. Der Preis der Waren ist, wie ihre Wertform überhaupt, eine von ihrer handgreiflichen Körperform unterschiedene rein ideelle. oder vorgestellte Form. Ihr Eigentümer muss ihnen daher seine Zunge leihen oder ihnen einen Zettel umhängen, um ihre Preise der Aussenwelt mitzuteilen. Jeder Händler weiss, dass er nicht das geringste bisschen Gold braucht, um Millionen Pfund Warenwerte in Gold zu schätzen.

Dienen Gold und Silber gleichzeitig als Wertmasse, dann besitzen alle Waren zwei Preisausdrücke - einen Goldpreis und einen Silberpreis. Diese Preise bestehen ruhig nebeneinander, solange das Wertverhältnis von Silber und Gold unverändert bleibt.

Die Warenwerte werden in der Vorstellung in viele verschiedene Quantitäten von Gold verwandelt. Trotz der verwirrenden Verschiedenheit der Waren selbst werden ihre Werte zu gleichnamigen Grössen, Goldgrössen. Als solche verschiedene Goldmengen können sie miteinander Verglichen und gemessen werden, und es entwickelt sich die technische Notwendigkeit, sie auf ein fixiertes Quantum Gold als ihre Masseinheit zu beziehen. Diese Masseinheit wird durch weitere Teilung in aliquote Teile zum Massstab fortentwickelt. Vor ihrer Geldwertung besitzen Gold, Silber und Kupfer bereits solche Massstäbe in ihrem Gewicht.

Als Mass der Werte und als Massstab der Preise verrichtet das Geld zwei. ganz verschiedene Funktionen. Es ist Mass der Werte insofern, als es die gesellschaftlich anerkannte Verkörperung der menschlichen Arbeit ist, und Massstab der Preise insofern, als es ein festgesetztes Metallgewicht ist. Als Wertmass dient es dazu, die Werte der mannigfaltigen Waren in Preise zu verwandeln, in vorgestellte Quantitäten von Gold; als Massstab der Preise misst es diese Goldquantitäten. Das Wertmass misst die als Werte betrachteten Waren; der Massstab der Preise misst dagegen Goldquantitäten mit einer Goldquantitäteneinheit und nicht den Wert einer Goldquantität mit dem Gewicht der anderen. Um das Gold zum Massstab der Preise zu machen, muss ein bestimmtes Goldgewicht als Masseinheit fixiert werden. Je unveränderlicher diese Einheit ist, umso besser erfüllt der Massstab der Preise seine Funktion.

Wie auch der Goldwert wechsle, das Wertverhältnis der verschiedenen Metallquantitäten bleibt immer konstant, 12 Unzen Gold besitzen 12mal mehr Wert als 1 Unze Gold.

Die Warenpreise können nur allgemein steigen - bei gleichbleibendem Geldwert -, wenn die Warenwerte steigen oder - bei gleichbleibenden Warenwerten -, wenn der Geldwert fällt. Andererseits können die Warenpreise nur allgemein fallen - bei gleichbleibendem Geldwert -, wenn die Warenwerte fallen oder - bei gleichbleibenden Warenwerten -, wenn der Geldwert steigt. Es folgt daher keineswegs, dass ein Steigen des Geldwertes ein proportionelles Fallen der Warenpreise oder ein Fallen des Geldwertes ein proportionelles Steigen der Warenpreise bedingt. Dies gilt nur für Waren, deren Wert unverändert bleibt. Solche Waren z.B. deren Wert gleichmässig und gleichzeitig steigt mit dem Geldwert, behalten dieselben Preise.

Nach und nach trennen sich die Geldnamen der verschiedenen Gewichte des kostbaren Metalles, das als Geld figuriert, von ihrem ursprünglichen Gewichtsnamen. Das Wort Pfund war z.B. der Geldname für ein wirkliches Pfund Silber. Als das Gold das Silber als Wertmass ersetzte, wurde der gleiche Name für vielleicht 1/15 Pfund Gold, je nach dem Wertverhältnis von Gold und Silber, gebraucht. So wurde das Wort Pfund als Geldname von dem gleichen Wort als Gewichtsname getrennt.

Da der Geldmassstab einerseits rein konventionell ist, andererseits allgemeiner Gültigkeit bedarf, wird er schliesslich gesetzlich reguliert. Ein bestimmtes Gewicht, z.B. eine Unze Gold, wird offiziell in aliquote Teile geteilt, die gesetzliche Namen, wie Pfund, Dollar usw., erhalten. Diese aliquoten Teile, die dann als Geldeinheit dienen, werden in weitere aliquote Teile untergeteilt, die ebenfalls gesetzliche Namen, wie Shilling, Penny usw., erhalten. Aber nach wie vor dieser Teilung ist ein bestimmtes Metallgewicht Massstab des Metallgeldes. Die einzige Änderung besteht in der Unterteilung und der Namengebung.

Auf diese Weise drücken die Waren durch ihre Preise aus, was sie wert sind, und das Geld dient als Rechengeld, so oft es gilt, den Wert eines Artikels in Geldform zu fixieren.

Der Preis ist der Geldname der in der Ware vergegenständlichten Arbeit. Daher ist die Äquivalenz einer Ware und die Geldsumme, die. ihren Preis ausmacht, eine Tautologie, wie ja überhaupt der relative Wertausdruck einer Ware der Ausdruck der Äquivalenz zweier Waren ist.

Trotzdem nun aber der Preis als Exponent der Wertgrösse einer Ware Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld ist, folgt nicht hieraus, dass der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld notwendigerweise der Exponent ihrer Wertgrösse ist.

Die Wertgrösse der Ware drückt ein Verhältnis gesellschaftlicher Produktion aus, sie gibt der Verbindung Ausdruck, die notwendigerweise zwischen einem bestimmten Artikel und dem Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit, der zu seiner Produktion benötigt wurde, besteht. Sobald die Wertgrösse in Preis verwandelt ist, nimmt dieses vorgenannte notwendige Verhältnis die Form eines mehr oder weniger zufälligen Austauschverhältnisses zwischen einer einzigen Ware und einer anderen an, nämlich der Geldware. In diesem Austauschverhältnis kann sich aber sowohl die wirkliche Wertgrösse der Ware ausdrücken als auch die Goldquantität, die von diesem Wert abweicht, für den sie den Umständen entsprechend veräussert werden kann. Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgrösse liegt also in der Preisform selbst. Dies ist kein Mangel, sondern macht die Preisform im Gegenteil zur adäquaten Form einer Produktionsweise, in der sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.

Die Preisform kann einen qualitativen Widerspruch verbergen, und zwar einen so grossen, dass der Preis überhaupt aufhört, Wertausdruck zu sein, obgleich Geld nur die Wertform der Waren ist. Dinge, die an und für sich keine Waren sind, wie Gewissen, Ehre usw., können ihren Besitzern für Geld feil sein, und so durch ihren Preis Warenform erhalten. Ein Ding kann also einen Preis haben, ohne einen Wert zu haben. Der Preis wird in diesem Fall imaginär wie gewisse Grössen der Mathematik. Andererseits kann auch die imaginäre Preisform manchmal direkt oder indirekt ein wirkliches Wertverhältnis verbergen, z.B. der Preis des unkultivierten Landes, der keinen Wert hat, weil keine menschliche Arbeit in ihm verkörpert ist.

Die Preisform schliesst sowohl die Austauschbarkeit einer Ware gegen Geld als auch die Notwendigkeit zu diesem Austausch ein. Andererseits dient Gold nur als ideelles Wertmass, weil es sich im Austauschprozess bereits als Geldware festgesetzt hat. Im ideellen Mass der Werte lauert daher das harte Geld.

b) Circulationsmittel
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Soweit der Austauschprozess Waren aus der Hand, worin sie Nichtgebrauchswerte darstellen, in die Hand überträgt, worin sie Gebrauchswerte sind, ist er gesellschaftlicher Stoffwechsel. Das Produkt einer nützlichen Arbeit ersetzt das der anderen. Sobald eine Ware an der Stelle angelangt ist, wo sie als Gebrauchswert dienen kann, fällt sie aus der Sphäre des Austausches in die Sphäre der Konsumtion. Aber hier interessiert uns nur die erstere. Wir müssen also jetzt den Austausch von der Formseite her betrachten, also den Formwechsel oder die Metamorphose der Waren, welche den gesellschaftlichen Stoffwechsel hervorbringt, untersuchen.

Das Verständnis dieses Formwechsels ist in der Regel sehr mangelhaft. Die Ursache besteht, abgesehen von der Unklarheit über den Wertbegriff selbst, darin, dass jeder Formwechsel einer Ware sich vollzieht im Austausch zweier Waren, einer gewöhnlichen Ware und der Geldware. Hält man diesen stofflichen Moment allein fest, so übersieht man gerade, was man sehen soll, nämlich was sich mit der Warenform ereignet. Man übersieht, dass Gold als blosse Ware nicht Geld ist, und dass, wenn andere Waren ihre Preise in Gold ausdrücken, das Gold nur die Geldform dieser Waren selbst ist.

Die Waren gehen zunächst wie sie sind in den Austauschprozess ein. Dieser Prozess teilt sie dann ein in Waren und Geld und bringt damit einen äusseren Gegensatz hervor, der dem ihnen innewohnenden inneren Gegensatz entspricht, nämlich Gebrauchswerte und Werte zugleich zu sein. Die Waren als Gebrauchswerte stehen nun dem Geld als Tauschwert gegenüber.. Andererseits befinden sich auf beiden Seiten Waren, Einheiten von Gebrauchswert und Wert. Aber diese Einheit von Unterschieden stellt sich auf jedem der beiden Pole umgekehrt dar. Da sie Pole sind, stehen sie sich notwendigerweise gegenüber wie sie verbunden sind. Auf der einen Seite der Gleichung haben wir eine gewöhnliche Ware, die in Wirklichkeit Gebrauchswert ist. Ihr Wert erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das ihr gegenüberstehende Gold, als ihre reelle Wertgestalt, bezieht. Andererseits gilt das Gold in seiner metallischen Wirklichkeit als Verkörperung des Wertes, als Geld. Gold ist als Gold selbst Tauschwert. Diese gegensätzlichen Formen der Waren sind die wirklichen Bewegungsformen ihres Austauschprozesses.

Der Austausch vollzieht sich in zwei entgegengesetzten und einander ergänzenden Metamorphosen und in folgendem Formwechsel:
Ware (W) - Geld (G) - Ware (W).

Der anscheinend einzelne Prozess ist aber in Wirklichkeit ein zweifacher. Vom Pol des Wareneigentümers aus gesehen, handelt es sich um einen Verkauf und vom entgegengesetzten Pol des Geldeigentümers aus gesehen, handelt es sich um einen Kauf. Mit anderen Worten: ein Verkauf ist ein Kauf, W - G ist auch G - W. Als Agent des. Verkaufes wird der Eigentümer zum Verkäufer und als Agent des Kaufes wird er zum Käufer.

Die Gesamtmetamorphose einer Ware unterstellt in ihrer einfachsten Form vier Extreme und drei handelnde Personen. Erst tritt der Ware das Geld als ihre Wertgestalt gegenüber, die in der Tasche des Käufers als harte Realität besteht. So tritt dem Wareneigentümer der Geldeigentümer gegenüber. Sobald nun die Ware in Geld verwandelt ist, wird das Geld zu ihrer verschwindenden Äquivalentform, deren Gebrauchswert in anderen Warenkörpern zu finden ist. Als Endpunkt der ersten Umwandlung ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten. So wird der Verkäufer des ersten Aktes zum Käufer des zweiten, wo ihm ein dritter Wareneigentümer als Verkäufer gegenübertritt.

Die beiden umgekehrten Bewegungsphasen der Warenmetamorphose bilden einen Kreislauf: Warenform, Abstreifung dieser Warenform und Rückkehr zur Warenform. Zweifellos erscheint die Ware hier unter zwei verschiedenen Aspekten. Am Ausgangspunkt ist sie für ihren Eigentümer kein Gebrauchswert, während sie am Endpunkt Gebrauchswert ist. So erscheint das Geld erst als der feste Wertkristall, worin sich die Ware verwandelt, um hinterher sich in die blosse Äquivalenzform aufzulösen, die dazu bestimmt ist, den Gebrauchswert zu ersetzen.

Der Kreislauf, den eine Ware im Verlaufe ihrer Metamorphosen bildet, verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreisläufen anderer Waren. Der Gesamtprozess stellt sich dar als Warenzirkulation.

Die Warenzirkulation ist nicht nur formell, sondern wesentlich vom unmittelbaren Produktenaustausch unterschieden. Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Warenzirkulation bedinge notwendigerweise ein Gleichgewicht der Verkäufe und Käufe, weil jeder Verkauf Kauf und jeder Kauf Verkauf sei. Verkauf und Kauf sind ein identischer Akt, ein Austausch zwischen einem Wareneigentümer und einem Geldeigentümer, also zwischen zwei Personen, die einander wie die beiden Pole eines Magneten gegenüberstehen. Die Identität von Verkauf und Kauf schliesst daher ein, dass die Ware nutzlos wird, wenn sie, in die alchimistische Retorte der Zirkulation geworfen, nicht als Geld herauskommt; sie enthält ferner, dass der Austausch, wenn er stattfindet, einen Ruhepunkt, einen kürzeren oder längeren Lebensabschnitt der Ware bildet. Keiner kann verkaufen, ohne dass ein anderer kauft. Aber keiner ist unmittelbar verpflichtet zu kaufen, weil er selbst gerade verkauft hat. Die Zirkulation sprengt alle zeitlichen, örtlichen und individuellen Schranken des direkten Produktenaustausches dadurch, dass sie die unmittelbare Identität zwischen dem Austausch des eigenen und dem Eintausch des fremden Arbeitsprodukts in den Gegensatz von Verkauf und Kauf spaltet. Dass die selbständig einander gegenübertretenden Prozesse eine innere Einheit bilden, heisst ebensosehr, dass ihre innere Einheit sich in äusseren Gegensätzen ausdrückt. Wird der Zeitabstand zwischen den beiden sich ergänzenden Phasen der vollständigen Metamorphose einer Ware zu gross, wird der Bruch zwischen Verkauf und Kauf zu stark betont, dann macht sich ihre Einheit gewaltsam geltend durch eine Krise.

Die Bewegung der Ware bildet einen Kreislauf. Andererseits schliesst diese Form den Kreislauf des Geldes aus. Ihr Resultat ist nicht die Rückkehr des Geldes, sondern seine ständige weitere Entfernung von seinem Ausgangspunkt.

In der ersten Zirkulationsphase wechselt die Ware den Platz mit dem Geld. Damit fällt die Ware als nützlicher Gegenstand aus der Zirkulation in die Konsumtion. An ihre Stelle tritt ihre Wertform - das Geld. Die zweite Zirkulationsphase durchläuft die Ware nicht in ihrer natürlichen sondern in ihrer Geldform.

Die Kontinuität der Bewegung fällt damit ganz auf die Seite des Geldes, und dieselbe Bewegung, die für die Ware zwei entgegengesetzte Prozesse einschliesst, schliesst als Bewegung des Geldes stets denselben Prozess ein, seinen Stellenwechsel mit stets anderen Waren. Das Resultat der Warenzirkulation, nämlich Ersatz einer Ware durch eine andere, erscheint daher nicht durch ihren eigenen Formwechsel bewirkt, sondern durch die Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel, welches die an und für sich bewegungslosen Waren zirkuliert. Das Geld entfernt die Waren beständig aus der Zirkulation und tritt beständig an ihre Stelle; auf diese Weise entfernt es sich ständig weiter von seinem Ausgangspunkt.

Obgleich die Geldbewegung nur Ausdruck der Warenzirkulation ist, scheint das Gegenteil der Fall zu sein, die Warenzirkulation erscheint als das Resultat der Geldbewegung. Dem Geld kommt nur die Funktion des Zirkulationsmittels zu, weil es der verselbständigte Wert der Waren ist. Seine Bewegung als Zirkulationsmittel ist daher in der Tat nur die Bewegung der Waren, während diese ihre Form ändern.

Jede Ware bei ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Zirkulation heraus, in die stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen hält sich ständig in der Zirkulationssphäre auf und treibt sich in ihr herum. Es erhebt sich also die Frage, wieviel Geld diese Sphäre absorbiert.

Da Geld und Waren sich immer leiblich gegenüberstehen, steht fest, dass die für die Zirkulation erforderliche Masse an Zirkulationsmittel bereits durch die Preissumme der Waren bestimmt ist. In der Tat stellt das Geld nur reell die in der Preissumme der Waren bereits ideell ausgedrückte Goldsumme dar. Die Gleichheit dieser Summen versteht sich daher von selbst.

Wir wissen jedoch, dass bei gleichbleibenden Werten der Waren ihre Preise sich mit dem Wert des Goldes ändern, verhältnismässig steigen, wenn er fällt, und fallen, wenn er steigt. Wenn nun auf ein derartiges Steigen oder Fallen des Goldwertes die Preissumme der Waren steigt oder fällt, muss die Ware des zirkulierenden Geldes im gleichen Ausmass steigen oder fallen. Der Wechsel in der Masse der Zirkulationsmittel entspringt hier allerdings dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktion als Zirkulationsmittel, sondern aus seiner Funktion als Wertmass. Zuerst wechselt der Preis der Waren umgekehrt wie der Wert des Geldes und dann wechselt die Masse der Zirkulationsmittel direkt wie der Preis der Waren.

Ganz dasselbe würde sich ereignen, wenn z.B. nicht der Wert des Goldes sänke, sondern das Gold als Wertmass durch Silber ersetzt würde, oder wenn nicht der Wert des Silbers stiege, sondern das Gold es aus der Funktion des Wertmasses verdrängen würde. In beiden Fällen hätte sich der Wert des Geldmaterials, d.h. der Wert der Ware, die als Wertmass funktioniert, verändert, ebenso der Preis der Waren, der ihren Wert in Geld ausdrückt, ebenso die Masse des zirkulierenden Geldes, das zur Realisierung der Preise dient.

Betrachten wir nun den Wert des Goldes als gegeben und nehmen wir ferner an, der Preis jeder Ware sei gegeben, dann hängt die Summe der Preise von der Masse der zirkulierenden Waren ab. Wenn die Masse der Waren konstant bleibt, flutet die Masse des zirkulierenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen der Waren. Sie steigt und fällt, weil die Preissumme der Waren infolge der Preisänderung zunimmt oder abnimmt.

Die Geschwindigkeit dieses Geldumlauf s spiegelt die Geschwindigkeit des Formwechsels der Waren wider, das kontinuierliche Ineinandergreifen der Metamorphosenreihen, die Hast des gesellschaftlichen Stoffwechsels, das rasche Verschwinden der Waren aus der Zirkulationssphäre und ihr ebenso schneller Ersatz durch neue Waren. Umgekehrt erscheint in der Verlangsamung des Geldumlaufs die Trennung dieser beiden Prozesse in isolierte gegensätzliche Phasen, die Stockung des Formwechsels und daher des gesellschaftlichen Stoffwechsels...

Das Gesamtquantum des in einem gegebenen Zeitabschnitt als Zirkulationsmittel funktionierenden Geldes ist einerseits bestimmt durch die Preissumme der zirkulierenden Waren und andererseits durch die Schnelligkeit, mit der die gegensätzlichen Phasen der Metamorphose einander folgen.

Die drei Faktoren: Preisbewegung, zirkulierende Warenmasse und Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, - sind alle veränderlich. Daher wird die zu realisierende Preissumme und infolgedessen die Masse des Zirkulationsmittels, die von dieser Summe abhängt, mit den zahlreichen Variationen dieser drei Faktoren in der Kombination wechseln.

Aus der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel entspringt seine Münzgestalt. Der in dem Preis oder Geldnamen der Waren vorgestellte Gewichtsteil Gold muss ihnen in der Zirkulation als Goldstück oder Münze mit einem gegebenen Namen gegenübertreten. Wie die Feststellung des Massstabes der Preise, fällt das Geschäft der Münzung dem Staat anheim. Im Umlauf verschleissen die Münzen, die einen mehr, die anderen weniger. Name und Substanz, Nominalgewicht und Realgewicht beginnen ihren Scheidungsprozess. Gleichnamige Münzen werden im Wert verschieden, weil sie im Gewicht verschieden sind. Diese Tatsache enthält latent die Möglichkeit, Metallmünzen durch Zeichen aus anderem Material oder durch Symbole, die dem gleichen Zweck wie Münzen dienen, zu, ersetzen. Die Scheidemünze erscheint neben dem Gold zur Zahlung von Bruchteilen der kleinsten Goldmünze.

Der Metallgehalt der Silber- und Kupferzeichen ist willkürlich durch Gesetz bestimmt. Im Umlauf verschleissen sie noch schneller als Goldmünzen. Daher können relativ wertlose Dinge, wie Papiernoten, an ihrer Statt als Münzen dienen. Es handelt sich hier nur um Staatspapiergeld mit Zwangskurs.

Es kann nun jemand fragen, warum Gold durch wertlose Zeichen ersetzt werden kann. Es ist aber nur so ersetzbar, soweit es ausschliesslich als Münze oder als Zirkulationsmittel funktioniert. Jedes Geldstück ist nur blosse Münze oder Zirkulationsmittel, solange es tatsächlich zirkuliert. Die Minimalmasse des Goldes bleibt beständig in der Zirkulationssphäre, funktioniert fortwährend als Zirkulationsmittel und existiert ausschliesslich für diesen Zweck. Ihre Bewegung stellt daher nur das fortwährende Ineinanderumschlagen der entgegengesetzten Phasen der Metamorphose W - G - W dar, worin den Waren ihre Wertgestalt gegenübertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selbständige Existenz des Tauschwertes der Ware ist hier nur eine flüchtige Erscheinung. Sofort wird die Ware wieder durch eine andere ersetzt. Daher genügt in diesem Prozess, in dem das Geld beständig von Hand zu Hand geht, die bloss symbolische Existenz des Geldes. Seine funktionelle Existenz absorbiert sozusagen seine materielle. Da es ein verschwindender objektiver Reflex der Warenpreise ist, dient es nur als Zeichen seiner selbst und kann daher durch ein Zeichen ersetzt werden. Etwas ist jedoch erforderlich: diesem Zeichen muss objektive gesellschaftliche Gültigkeit eigen sein und diese erhält das Papiersymbol durch den Zwangskurs.

c) Geld
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Sobald die Metamorphosenreihe unterbrochen, der Verkauf nicht durch nachfolgenden Kauf ergänzt wird, verwandelt sich das Geld in einen Schatz. Die Schatzbildung dient verschiedenen Zwecken in der Ökonomie der metallischen Zirkulation. Damit die wirklich umlaufende Geldmasse die Absorbierungskraft der Zirkulation stets befriedigen kann, muss das in einem Land befindliche Gold- und Silberquantum grösser sein als das in Münzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfüllt durch die Schatzform des Geldes. Die Reserven dienen als Abfuhr- und Zufuhrkanäle des zirkulierenden Geldes, welches auf diese Weise seine Ufer nie überflutet.

Die Entwicklung des Geldes als Zahlungsmittel macht die Geldakkumulation für die Verfallstermine geschuldeter Summen notwendig. Während die Schatzbildung als selbständige Bereicherungsform mit dem Fortschritt der bürgerlichen Gesellschaft verschwindet, wächst sie in der Form von Reservefonds der Zahlungsmittel.

Das Kreditgeld entspringt unmittelbar aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, indem Schuldscheine für die gekauften Waren zur Übertragung dieser Schulden an andere zirkulieren.

Wenn die Warenproduktion sich genügend ausgedehnt hat, beginnt das Geld als Zahlungsmittel über die Sphäre der Warenzirkulation hinaus zu dienen. Es wird die allgemeine Ware der Kontrakte. Renten, Steuern usw. verwandeln sich aus Naturallieferungen in Geldzahlungen.

Mit dem Austritt aus der heimischen Zirkulationssphäre streift das Geld die dort angenommenen Lokalformen von Massstab der Preise, Münze, Zeichen und Wertsymbol ab und kehrt zu seiner ursprünglichen Barrenform der edlen Metalle zurück. Im Welthandel wird der Wert der Waren so ausgedrückt, dass er allgemein anerkannt werden kann. Hier tritt ihnen daher selbständige Wertgestalt auch als Weltgeld gegenüber. Erst auf dem Weltmarkt erhält das Geld im vollen Umfang den Charakter einer Ware, deren Naturalform auch die unmittelbare gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit in abstracto ist.

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Source: »Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie«, Offenbach/M., Bollwerk Verlag, 1949

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